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Hochhaus ragt aus Dunstglocke hervor

Drei Millionen Tote durch Luftverschmutzung

Jährlich sterben etwa 3,3 Millionen Menschen weltweit vorzeitig an den Folgen von Luftverschmutzung. Die meisten Opfer gibt es einer Studie zufolge in Asien. Der größte Teil der Schadstoffe stammen jedoch nicht von Industrie und Verkehr, sondern von privaten kleinen Öfen und der Landwirtschaft.

Umwelt 17.09.2015

Die meisten Todesfälle gehen auf Emissionen zurück, die vor allem in China und Indien bei der Verbrennung von Kohle oder Biomasse zum Heizen und Kochen oder durch Dieselgeneratoren frei werden, berichten die Forscher aus Deutschland, Zypern, den USA und Saudi Arabien unter Leitung von Johannes Lelieveld vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz.

Studie in "Nature":

"The contribution of outdoor air pollution sources to premature mortality on a global scale" von J. Lelieveld et al., erschienen am 17. September 2015

Studie in "Nature Geoscience":

"Air quality and human health improvements from reductions in deforestation-related fire in Brazil" von C. L. Reddington et al., erschienen am 17. September 2015.

Bis 2050 könnte sich die Zahl der Todesfälle verdoppeln, wenn nicht weitreichende Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität ergriffen werden, schreiben die Forscher im Fachblatt "Nature". In Deutschland und anderen Ländern Europas verschmutzt den Angaben zufolge vor allem die Landwirtschaft die Luft. In der EU führe Feinstaub und Ozon jährlich zu 180.000 Todesfällen.

Häusliche Aktivitäten

Es ist lange bekannt, dass Luftschadstoffe wie Ozon oder Feinstaubpartikel gesundheitsschädlich sind. Vor allem sehr kleine Partikel mit einem Durchmesser von weniger als 2,5 Mikrometern (2,5 Tausendstel Millimeter) können tief in die Lunge eindringen und verschiedene gesundheitliche Probleme hervorrufen, etwa Atemwegs- und Herz-Kreislauferkrankungen oder Lungenkrebs. Die Herkunft der Luftschadstoffe wurde nun genauer untersucht.

"Meist wird ja angenommen, dass Industrie und Verkehr die schlimmsten Luftverschmutzer sind, aber weltweit ist das offenbar nicht der Fall", berichtet Lelieveld. In Indien und China verursachten die häuslichen Kleinfeuer einen Großteil des Smogs. "Das sind zwar nur kleinskalige Aktivitäten, aber wenn ein Großteil der Bevölkerung das macht, kommt einiges zusammen."

In einer früheren Studie hatten Forscher ermittelt, dass jährlich allein etwa 3,5 Millionen Menschen infolge von verschmutzter Innenraum-Luft sterben. Dies gehe vor allem auf das Verbrennen von Kohle oder pflanzlichen Brennstoffen in offenem Feuer oder einfachen Öfen zurück. Das Team um Lelieveld untersuchte nun die Folgen von Emissionen außerhalb von Häusern und kam auf eine fast ebenso hohe Zahl. Es berücksichtigte sieben verschiedene Quellen, aus denen Feinstaub freigesetzt wird, unter anderem den Straßenverkehr, die Industrie, die Verbrennung von Biomasse oder natürliche Quellen.

Die Forscher bestimmten in einem Zirkulations-Modell zunächst, wie sich die Schadstoffe in der Atmosphäre verteilen. Unter Berücksichtigung der Schadwirkung von Feinstaub verknüpften sie die Ergebnisse mit Populationsdaten und Gesundheitsstatistiken einzelner Länder.

Mehr Tote als im Verkehr

Weltweit starben 2010 nach Angaben der Forscher fünf von 10.000 Menschen vorzeitig an den Folgen von Luftverschmutzung. In China allein waren es 1,36 Millionen - deutlich mehr als dort im Straßenverkehr ums Leben kommen oder an Aids sterben. Indien nimmt mit 0,65 Millionen Toten jährlich durch schlechte Luft den zweiten Platz auf dieser Liste ein.

Etwa ein Drittel aller weltweiten Todesfälle infolge von schlechter Luft - in Nepal annähernd 70 Prozent - gehe auf kleine Verbrennungsöfen zum Heizen und Kochen sowie auf Dieselgeneratoren zurück. Die Regierungen der betreffenden Länder müssten ihre Anstrengungen verstärken, den Menschen zum Heizen und Kochen bessere Technologien zugänglich zu machen und sie von deren Vorteilen zu überzeugen, sagt Studienleiter Lelieveld in einer Telefon-Pressekonferenz.

Landwirtschaft und Straßenverkehr

In Europa, Russland, dem Osten der USA und in Ostasien stammten die meisten Feinstaubpartikel aus der Landwirtschaft. Vor allem aus der Tierhaltung und über den Einsatz von Düngemittel gelangten Vorläuferstoffe in die Luft, die zur Bildung von Feinstaub beitragen.

Auf den Straßenverkehr gingen in Deutschland sowie in Großbritannien und den USA etwa 20 Prozent der Todesfälle durch Luftverschmutzung zurück, weltweit sei er nur für etwa fünf Prozent verantwortlich. In Deutschland gebe es jährlich 7.000 Todesfälle durch Verkehrsabgase. Demnach sterben dort doppelt so viele Menschen an den Folgen der Verkehrsemissionen wie an Verkehrsunfällen.

Dass sich die Zahl der Todesfälle bei Einschränkung der Emissionen maßgeblich reduzieren lässt, belegt eine zweite Studie, aus dem Fachblatt "Nature Geoscience". Demnach hat die nachlassende Brandrodung des brasilianischen Regenwaldes seit 2004 zu einer deutlichen Reduzierung der Feinstaubbelastung geführt. Dies verhindere jährlich 400 bis 1.700 Todesfälle in Südamerika.

Anja Garms, dpa

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