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"Tschuri", aufgenommen am 9. Juli 2015 von Rosetta

Auf "Tschuri" wird es langsam Frühling

Die Sonne wird stärker, die Luft milder, Schnee und Eis beginnen zu schmelzen: Was wir jeden Frühling aufs Neue erleben, hat laut einer neuen Studie auch auf dem Kometen "Tschuri" stattgefunden. Er hat bei seinem Flug Richtung Sonne ein ähnliches Tauwetter erlebt wie die Alpen im Frühjahr.

Astronomie 24.09.2015

Wie an einem sonnigen Frühlingstag in den Alpen schmolz dort Wassereis, sobald die Sonne aufging, und verflüchtigte sich zum Teil. Sobald die Sonne unterging, gefror das verbliebene Wasser wieder, berichtet ein internationales Forscherteam um Maria Cristina de Sanctis vom Astrophysikalischen Institut INAF in Rom. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werteten Daten der europäischen Raumsonde "Rosetta" zu einer eisbedeckten Region des Kometen aus.

Schwankender Ausstoß von Dampf

Die Studie:

"The diurnal cycle of water ice on comet 67P/Churyumov–Gerasimenko" ist am 23. September 2015 in "Nature" erschienen.

Die vereiste Region auf "Tschuri"

Nature / Maria Cristina de Sanctis

Die vereiste Region auf "Tschuri"

Das Tauwetter auf "Tschuri" führte so zu regelmäßigen Schwankungen, wie viel Dampf der Komet "ausstößt", denn das Eis ist auf dem Kometen nicht gleichmäßig verteilt. Die Wissenschaftler hatten für die Studie eine besonders eisreiche Region an einem dünnen Bereich von "Tschuri" ausgewählt, der die beiden großen Teilstücke des Kometenkerns verbindet.

Ein Wasser-Eis-Kreislauf wie er dort jetzt beobachtet wurde, war schon früher als ein Antrieb der schwankenden Aktivität von Kometenkernen postuliert worden, konnte bislang aber nicht nachgewiesen werden.

Die Forscher nehmen an, dass der von "Rosetta" nun erstmals aufgezeichnete Kreislauf typisch für Kometen ist und sich damit auch der schwankende Wasserdampfausstoß von Schweifsternen wie 9P/Tempel 1 und 103P/Hartley 2 erklären lässt. Auch Berliner Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt waren an der Studie beteiligt.

Daten des Vorbeiflugs kommen noch

Generell verändert sich "Tschuri", der offiziell 67P/Tschurjumow-Gerassimenko heißt, durch die Sonneneinstrahlung stark. Erst kürzlich hatten andere Forscher berichtet, dass aus einem auffällig gezackten Steilhang im Laufe der Annäherung an die Sonne zwei beckenförmige Vertiefungen geworden waren. Auch diese Beobachtung stammt aus der Zeit vor der größten Annäherung des Kometen an die Sonne Mitte August.

Daten zur schwankenden Eisschmelze genau während des Vorbeiflugs von "Tschuri" an der Sonne im August und danach sind noch nicht veröffentlicht, da es oft einige Monate dauert, bis ein Fachjournal eine Arbeit überprüft und druckt.

science.ORF.at/APA/dpa

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