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Hummel steckt den Kopf in eine Blüte

Hummeln: Weniger Blumen, kürzere Zungen

Mit ihren extrem langen Zungen erreichen manche Hummeln auch den tief im Kelch verborgenen Nektar von Blumen, die in Bergregionen vorkommen. Forschern zufolge verlieren manche Arten soeben diese nützliche Anpassung. Der Grund: Das Blumenangebot geht infolge des Klimawandels zurück.

Klimawandel 25.09.2015

Fleißige Bestäuber

Die Studie in "Science":

"Functional mismatch in a bumble bee pollination mutualism under climate change" von N.E. Miller-Struttmann, erschienen am 25. September 2015.

Hummeln zählen zu den wichtigsten bestäubenden Insekten. Auf ihrer Suche nach Pollen und Nektar besuchen sie mitunter pro Minute zwischen zehn und 20 Blumen. Täglich sind sie bis zu 18 Stunden unterwegs, bis zu 1.000 Blüten kommen so zusammen. An den Nektar kommen sie mit ihren langen Zungen. Je länger diese ist, desto tiefer reichen sie in den Blütenkelch, bei manchen Pflanzen sind das einige Zentimeter. Hummeln mit kürzeren Zungen sind hingegen eher Generalisten. D.h., sie können recht unterschiedliche Blüten nutzen.

Laut den Forschern um Nicole Miller-Struttmann von der University of Missouri haben sich manche Hummelarten diesbezüglich sehr gut an ihre jeweilige Umgebung angepasst. So auch die zwei vom Team untersuchten: Bombus balteatus und Bombus sylvicola. Beide haben sehr lange Zungen, da in den von ihnen bewohnten Bergregionen viele Blumen mit tiefen Kelchen wachsen.

Rasante Evolution

Die Hummel Bombus balteatus in den Bergen von Pennsylvania

Christine Carson

Die Hummel Bombus balteatus in den Bergen von Pennsylvania

Ein Vergleich von heutigen Exemplaren mit jenen, die vor etwa 40 Jahren gelebt haben, zeigt laut den Forschern, dass die Zungen der Tiere in diesem Zeitraum deutlich kürzer geworden sind. Warum sie geschrumpft sind, war zunächst unklar. Wie Messungen ergaben, liegt es nicht daran, dass die fleißigen Bestäuber insgesamt kleiner geworden sind. Auch die Konkurrenz durch neue Arten oder eine Koevolution mit den Pflanzen der Region konnten die Forscher ausschließen.

Vielmehr sei die rasante Evolution ein Ergebnis des Klimawandels, genauer der immer wärmer werdenden Sommer in den Heimatregionen der Insekten. Die Zahl der von den Hummeln bevorzugten tiefkelchigen Pflanzen sei dadurch nämlich gesunken. Dieser Umstand zwinge die Tiere ihre Nahrungssuche auszuweiten, also auch auf Blüten mit kürzeren Kelchen - und dafür seien kürzere Zungen einfach geeigneter. Diese Veränderung ist den Forschern zufolge nur ein Beispiel dafür, wie der Klimawandel eingespielte Systeme beeinträchtigen und etablierte ökologische Beziehungen - wie jene zwischen Hummeln und Pflanzen - entkoppeln kann.

Eva Obermüller, science.ORF.at

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