Standort: science.ORF.at / Meldung: "Fließt noch Wasser auf dem Mars?"

Salzhaltige Fließstrukturen auf dem Mars

Fließt noch Wasser auf dem Mars?

Es gilt als Grundvoraussetzung von Leben, wie wir es kennen: flüssiges Wasser. Neue Messdaten legen nahe, dass es dieses - wie manche schon länger vermuten - auf dem Mars tatsächlich noch heute gibt. Ein direkter Nachweis steht allerdings weiterhin aus.

Analyse 29.09.2015

Salziges Schmelzwasser könnte demnach regelmäßig im Marssommer manche Steilhänge hinabfließen, wie Forscher um Lujendra Ojha vom Georgia Institute of Technology in Atlanta berichten. Die Analysen der Messdaten der Raumsonde "Mars Reconnaissance Orbiter" (MRO) der US-Raumfahrtbehörde NASA sind der bisher beste Beleg dafür, dass es zumindest zeitweise flüssiges Wasser auf dem Roten Planeten gibt.

Die Studie in "Nature Geoscience":

"Spectral evidence for hydrated salts in recurring slope lineae on Mars" von Lujendra Ojha et al., erschienen am 28. September 2015.

Voraussetzung für Leben

Fließstrukturen auf den Bergen des Mars

NASA/JPL/University of Arizona

Die Fließstrukturen auf den Bergen des Mars

Ohne flüssiges Wasser gibt es kein Leben. Auf dem Mars wurden zwar bereits verschiedene Wassereisvorkommen und zahlreiche Hinweise auf ausgetrocknete Gewässer gefunden, flüssiges Wasser selbst hingegen noch nicht direkt beobachtet. Seine Entdeckung hätte eine enorme Bedeutung für die Suche nach vergangenem oder womöglich noch existierendem Leben auf dem Roten Planeten.

Die Forscher um Ojha untersuchten auffällige Fließstrukturen, die sich im Sommer regelmäßig an manchen Steilhängen auf dem Mars formen. Die in der Regel nur wenige Meter schmalen Strukturen entstehen, wenn die Temperaturen auf den Hängen über rund minus 20 Grad Celsius klettern und zudem regelmäßig den Gefrierpunkt übersteigen.

Schon seit der Entdeckung dieser Fließstrukturen spekulieren Forscher, dass sie von flüssigem Wasser stammen könnten, dessen Gefrierpunkt und Verdunstung durch Salze erheblich herabgesetzt wurde. Dieses Wasser könnte von Eis abschmelzen, das unter dem Marsboden vermutet wird, oder von den Salzen aus der dünnen Marsluft gebunden wird.

Signatur von Salzen

Salzspuren in einem Marskrater

NASA/JPL/University of Arizona

Salzspuren in einem Marskrater

Die Signatur von Wasser oder Salzen ließ sich an den Fließstrukturen in den bisherigen Messdaten allerdings nicht finden. Die Ortsauflösung des sogenannten Spektrometers, mit dem die Sonde die chemische Zusammensetzung des Marsbodens untersucht, ist dafür nicht fein genug. Es kann maximal etwa 18 Meter große Bereiche pro Bildpunkt (Pixel) unterscheiden, und für die Auswertung müssen normalerweise die Werte von mehreren Pixeln kombiniert werden. Für die neue Analyse entwickelten die Forscher ein Verfahren, mit dem sich einzelne Pixel des Spektrometers auswerten lassen.

Tatsächlich zeigte sich in sorgfältig ausgewählten Pixeln, die zum Großteil von Fließstrukturen ausgefüllt werden, die Signatur typischer Salzhydrate. In der Umgebung fanden sich diese Signaturen dagegen nicht. Diese Beobachtung machten die Forscher bei Fließstrukturen an vier verschiedenen Orten auf dem Mars. Das lege sehr nahe, dass die Fließstrukturen von einer Salzlauge geformt würden.

Bereits im April hatten andere Forscher berichtet, dass sich in den oberen Zentimetern des Marsbodens nachts eine Art Salzlauge bilden könnte. Sie hatten mit dem Marsrover "Curiosity" die Substanz Kalziumperchlorat entdeckt, die unter geeigneten Bedingungen Feuchtigkeit aus der Marsluft absorbieren und so eine Salzlauge bilden kann, die allerdings morgens wieder eintrocknen würde. Für Leben sei es vermutlich zu wenig Wasser und zu kalt, schrieben die Wissenschaftler.

Till Mundzeck, dpa

Mehr zum Thema: