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Vorderseite der Nobelpreis-Medaille

Letzter Wille aus schlechtem Gewissen?

Anfang Oktober ist es wieder so weit: Die alljährlichen Nobelpreisträger werden verkündet. Was den steinreichen Dynamiterfinder Alfred Nobel vor 120 Jahren dazu bewog, sein ganzes Vermögen in eine Reihe von Preisen zu stecken, ist bis heute nicht ganz geklärt. Es gibt aber einige Theorien dazu.

Nobelpreis 30.09.2015

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Acht Jahre vor Alfred Nobels Tod waren in Zeitungen Nachrufe auf ihn erschienen - die Presse hatte ihn mit seinem Bruder Ludvig verwechselt. Und was der Erfinder da über sich lesen musste, gefiel ihm gar nicht. "In den Nachrufen stand, dass er jemand war, der sein ganzes Geld mit Dynamit und Sprengstoffen verdient hatte - und über den es sehr schwierig sei, zu sagen, dass er der Menschheit etwas Gutes getan hätte", erzählt Gustav Källstrand vom Nobelmuseum in Stockholm.

Das harsche Urteil der Journalisten, die ihn sogar als "Kaufmann des Todes" betitelten, war ein Weckruf für den reichen Schweden. Doch führte wohl noch etwas anderes dazu, dass Alfred Nobel 1895 in seinem Testament verfügte, seine Reichtümer in eine Stiftung zur Vergabe der Nobelpreise fließen zu lassen: eine Frau.

Reichtum macht faul

Die österreichische Friedenskämpferin Bertha von Suttner und Nobel verband eine innige Freundschaft, von der er sich zunächst wohl mehr erhoffte. Von Suttner, die der Großindustrielle für kurze Zeit als seine Privatsekretärin anheuerte, sei "genau die Frau gewesen, nach der Alfred so lange gesucht hatte", schreibt der Autor Lars-Ake Skagegard 1993 in einem Buch über den Nobelpreisstifter.

"Sie hat ihn ermuntert, einen Teil seines Vermögens an verschiedene Friedensbewegungen zu spenden", sagt Källstrand. Nobel habe dann Von Suttner von seinen Plänen erzählt, einen Friedenspreis zu stiften - wozu vermutlich sie ihn inspiriert hatte. Wie seine berühmteste Erfindung genutzt wurde, deprimierte Nobel der Legende nach sehr. Und so habe er die anderen Preise seiner Freundin gegenüber nicht erwähnt.

"Aber die Idee, das Geld für Wissenschaft oder philanthropische Zwecke zu spenden, anstatt es der Familie zu überlassen, ist wahrscheinlich älter", so der Historiker Källstrand. Erstens habe seine Familie genug Geld gehabt, zweitens sei Nobel der Überzeugung gewesen, dass geerbter Reichtum faul mache. Stattdessen habe er Menschen auszeichnen wollen, die der Gesellschaft mit ihren Ideen Nutzen gebracht hätten. Ob sich Nobel zu Lebzeiten ausmalte, welchen mächtigen Aufruhr er mit seinem eigenwilligen Testament verursachen würde?

Testament angefochten

Einige seiner Verwandten waren mit seinem letzten Willen nicht einverstanden und fochten diesen vor Gericht an. "Manche sagen, sie waren einfach gierig und hatten es auf das Geld abgesehen", sagt Källstrand, andere meinten, sie seien aufrichtig besorgt um das Vermächtnis Nobels gewesen. "Nobel mochte keine Anwälte, weshalb er auch keinen Anwalt genommen hat, als er sein Testament schrieb", so der Historiker. Nicht nur deshalb entbrannte eine Kontroverse um das Dokument.

Mammutaufgabe

Denn Nobel hatte nur verfügt, dass Preise in fünf Disziplinen jeweils an die gehen sollen, "die im abgelaufenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen gebracht haben". Doch wie das Ganze vor sich gehen soll, ließ er offen. Seine beiden Testamentsvollstrecker standen damit vor einer Mammutaufgabe. Auch die Institutionen, die er mit der Vergabe der Preise beauftragte, waren überrascht. "Sie hatten keine Ahnung, was los war, und waren auch ein bisschen nervös", so Källstrand.

Manche zögerten, die Aufgabe anzunehmen - auch weil sich die internationale Presse darüber lustig machte, die Nobelpreise würden den kleinen Ländern Schweden und Norwegen mehr Ärger als Ruhm einbringen. Vielen Schweden passte auch nicht, dass die Norweger den Friedenspreis verleihen sollten. Die Union der beiden Länder befand sich in einer Krise.

Bis alle Probleme gelöst waren - mit Nobels Familie kam es zum Vergleich -, dauerte es lange. Erst fünf Jahre nach Nobels Tod wurden die nach ihm benannten Preise zum ersten Mal verliehen. Bis heute geschieht das eisern nach nahezu denselben speziellen Regeln - und die kann man in dieser Woche, wenn die diesjährigen Nobelpreisträger bekanntgegeben werden, wieder beobachten. Was genau sich Nobel dabei aber vor 120 Jahren dachte, wird wohl immer ein nicht ganz gelöstes Rätsel bleiben.

Julia Wäschenbach/dpa

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