Standort: science.ORF.at / Meldung: "Smartphones setzen Kinder unter Stress"

Eine Schülerin Luisa zeigt einen kurzen What's-App-Dialog mit einer Freundin auf dem Display ihres Smartphones

Smartphones setzen Kinder unter Stress

Laut einer Umfrage deutscher Forscher ist fast jeder zehnte junge Smartphonebesitzer suchtgefährdet. Jeder vierte der befragten Acht- bis 14-Jährigen gab an, sich durch die permanente Kommunikation über Messenger-Dienste wie WhatsApp gestresst zu fühlen.

Kommunikation 01.10.2015

Für die Studie im Auftrag der Landesmedienanstalt Nordrhein-Westfalen befragten die Forscher 500 Kinder und Jugendliche, aber auch Eltern. Die Studie sei damit repräsentativ für Handybesitzer dieser Altersgruppe.

Ablenkung, fremde Nachrichten, Gewaltvideos

Fast die Hälfte der Studienteilnehmer gab an, durch das Handy abgelenkt zu werden, etwa von den Hausaufgaben (48 Prozent), oder unüberlegt persönliche Daten preiszugeben (43 Prozent). Mehr als jeder vierte junge Befragte gab an, schon einmal Nachrichten von Fremden erhalten zu haben. Jeder Vierte fühlte sich durch die permanente Kommunikation über Messenger-Dienste wie WhatsApp gestresst (24 Prozent).

Jeder Fünfte (21 Prozent) landete laut der Studie schon auf nicht jugendfreien Seiten. 20 Prozent gaben schulische Probleme durch starke Handynutzung an, 19 Prozent erhielten via Smartphone Gewaltvideos mit entwürdigenden Darstellungen.

Jeder Siebente (15 Prozent) bemängelte, dass die echten Kontakte zu Freunden zu kurz kommen würden. Jeder Zehnte (elf Prozent) sei bereits Opfer digitalen Mobbings oder aus WhatsApp-Gruppen ausgegrenzt geworden. Am geringsten scheint bei den Acht- bis 14-Jährigen noch das Problem des sogenannten Sextings: Nur knapp jeder 20. Befragte (vier Prozent) gab an, bereits intime Fotos verschickt zu haben.

Dunkelziffer zu vermuten

Davon ausgehend, dass viele junge Befragte dazu neigen könnten, die Schattenseiten des geliebten Smartphones herunterzuspielen, seien die Zahlen Mindestgrößen. Eine Dunkelziffer nach oben hin könne nicht ausgeschlossen werden, sagt die Kommunikationswissenschaftlerin Karin Knop von der Uni Mannheim.

Ein Bub tippt in seinem Kinderzimmer in sein Handy

APA/dpa-Zentralbild/Jens Kalaene

Ein Bub, ein Kinderzimmer, ein Handy - manchen Eltern ein Dorn im Auge

Die exzessive Nutzung der Smartphones durch Kinder und Jugendliche sei zum Teil durch die Angst getrieben, aus dem Kommunikationsprozess des Freundes- oder Bekanntenkreises ausgeschlossen zu werden. So entstehe ein "permanenter Kommunikationsdruck". Acht Prozent müssten als suchtgefährdet eingestuft werden, so Knop.

Häufig Streit mit Eltern

Die befragten Eltern sehen sich bei der "Handyerziehung" vor große Schwierigkeiten gestellt: Sie leiden unter Machtlosigkeit, Kontrollverlust und Überforderung. Um das Ausmaß des Handykonsums der Kinder gibt es häufig Streit in den Familien. Viele Eltern kontrollieren heimlich, was ihre Sprösslinge mit dem Smartphone treiben. Technische Nutzungseinschränkungen sind den meisten Eltern unbekannt. Medienpädagogischen Rat aus dem Internet holen sich ebenfalls die wenigsten, wir die Studie ergab.

Die Forscher machten eine Unterscheidung von vier verschiedenen Typen von Eltern. Ein Siebentel (15 Prozent) kapituliert vor den mobilen Multifunktionsapparaten und verzichtet auf erzieherische Vorgaben. Im Gegensatz zu dieser "Laissez-faire"-Gruppe stehen die "ängstlich-konservativen Reglementierer". Sie schränken den Umgang mit dem Smartphone ein und ignorieren die Nachteile, die ihren Kindern dadurch entstehen.

Die "freundschaftlichen Liberalen" setzen hingegen auf ein vertrauensvolles Verhältnis zu ihren Kindern, können deren Handybegeisterung nachvollziehen und machen sich weniger Sorgen. Die "kindzentrierten Aktiven" setzen sich mit dem Handykonsum ihrer Kinder stark auseinander, sprechen viel darüber und bemühen sich um nachvollziehbare Vorgaben für einen altersgerechten Umgang.

Frank Christiansen, dpa

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