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Blumen auf einer Almwiese, im Hintergrund Berge.

"Österreich hat zu wenige Schutzgebiete"

Österreich tut zu wenig für den Schutz seiner Tier- und Pflanzenarten, heißt es in einem neuen Bericht der EU-Kommission zum Thema Biodiversität. Der heimische Umweltdachverband fordert deshalb mehr Schutzgebiete und Geld für ihre Betreuung.

Biodiversität 11.10.2015

Es ist vor allem der Mensch, der der Vielfalt zu schaffen macht. Werden Straßen und Häuser gebaut, Sümpfe trockengelegt und Flüsse reguliert, verschwinden Lebensräume - und damit in vielen Fällen auch Arten. In ganz Europa ist die Biodiversität gefährdet, weshalb im Jahr 2011 vom EU-Parlament eine Strategie verabschiedet wurde. Bis zum Jahr 2020 wurden ehrgeizige Ziele definiert, da ist die Rede vom "Aufhalten des Verlustes an biologischer Vielfalt" und einer "weitestmöglichen Wiederherstellung" von Ökosystemen.

Nun liegt ein erster Review der EU-Kommission vor, in dem die bisherigen Schritte analysiert wurden. Der Tenor: Wenn es in diesem Tempo weitergeht, können die Ziele bis 2020 nicht erreicht werden. Was für alle EU-Mitgliedsländer gilt, treffe im Besonderen auch für Österreich zu, sagt der Präsident des Österreichischen Umweltdachverbands, Franz Maier, im Gespräch mit science.ORF.at: "Österreich ist im EU-Vergleich beim Biodiversitätsschutz mittlerweile im hintersten Drittel angelangt. Wir sind weit weg davon, Vorreiter zu sein."

Mehr Natura-2000-Gebiete

Ein Punkt, der von der Kommission kritisiert wird und der auch Österreich trifft, ist das Mangel an Natura-2000-Gebieten. Darunter versteht man Schutzgebiete für bedrohte Tiere und Pflanzen, aber auch für seltene Landschaften wie spezielle Wald- und Wiesenarten. Das Netz dieser Schutzgebiete sei in Österreich lückenhaft, und hier müsse schnell etwas passieren, so Franz Maier vom Österreichischen Umweltdachverband: "Bevor es zu spät ist und manche Arten in Österreich endgültig verschwinden, muss gehandelt werden."

27.000 Natura-2000-Gebiete gibt es EU-weit, in Österreich sind es derzeit 239. Dringend gefordert wäre laut Umweltdachverband etwa ein eigenes Schutzgebiet für den Luchs, der im nördlichen Ober- und Niederösterreich vorkommt. Aber auch die Illyrischen Buchenwälder in Kärnten oder die Bergmähwiesen in Salzburg und Tirol sollten laut Umweltdachverband als Natura-2000-Gebiete definiert werden, wobei eine solche Definition kein bloßer Formalakt ist. Franz Maier: "Damit verbunden ist natürlich auch Geld, um die Gebiete betreuen und in ihrer Qualität als Biotop erhalten zu können.

Bundesländer gefragt

In Österreich fällt der Naturschutz in die Kompetenz der Bundesländer, deshalb ist in erster Linie ihr Handeln gefragt. Im Fall der Luchse könnte sich demnächst etwas bewegen, wie der für Naturschutz zuständige Abteilungsleiter der Oberösterreichischen Landesregierung, Gottfried Schindlbauer, auf Nachfrage sagt: "Wir entwickeln derzeit gemeinsam mit Niederösterreich ein Projekt, in dem nicht nur der Lebensraum der Luchs geschützt, sondern auch die Akzeptanz für diese schöne Katze gehoben werden soll."

Unter anderem werde die Zusammenarbeit mit den Jagdverbänden gesucht. "Die reine Definition als Natura-2000-Gebiet wäre unserer Meinung nach zu wenig", sagt Schindlbauer. Das seiner Aussage nach "umfassendere Projekt" soll demnächst der EU-Kommission vorgeschlagen werden, denn, so betont der Abteilungsleiter: "Grundsätzlich kann ich die Kritik schon nachvollziehen."

Elke Ziegler, science.ORF.at

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