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Ein menschliches Gehirn

Ein großes Gehirn macht nicht klüger

Ein großes Gehirn garantiert nicht unbedingt höhere Intelligenz. Offenbar gibt es nur einen schwachen Zusammenhang zwischen Gehirngröße und Intelligenzquotient (IQ). Das ergab eine aktuelle Analyse von über 8.000 Testpersonen.

Intelligenz 14.10.2015

Aufbau entscheidend

Die Studie in "Neuroscience and Biobehaviorial Reviews":

"Meta-analysis of associations between human brain volume and intelligence differences: How strong are they and what do they mean?" von Jakob Pietschnig et al., erschienen am 9. Oktober 2015.

Lange ist man davon ausgegangen, dass es einen engen Zusammenhang zwischen Gehirngröße und der intellektuellen Leistung gibt, "doch dieser wurde bis dato überschätzt", sagte Jakob Pietschnig vom Institut für Angewandte Psychologie der Universität Wien gegenüber der APA. Er hat mit Kollegen in einer Meta-Analyse die Ergebnisse von 88 Studien mit mehr als 8.000 Testpersonen untersucht.

Dabei zeigte sich, dass die Größe des Gehirns für Leistungen bei IQ-Tests nur eine untergeordnete Rolle spielt. Entscheidend ist nach Angaben der Wissenschaftler vielmehr die Struktur des Gehirns, also "der Aufbau von Kortex, Mittelhirn, Kleinhirn usw. und dass weiße und graue Gehirnmasse integer sind, in dem Sinne, dass sie optimal zusammenhängen - das ist viel wichtiger als dass es besonders viel davon gibt".

Wie wichtig die Struktur des Gehirns ist, zeigt der Vergleich mit anderen Arten: Denn ginge es rein nach der Gehirngröße, müsste der Pottwal mit einem bis zu neun Kilogramm großen Gehirn die Intelligenzbestie schlechthin sein. Aber auch im Verhältnis zur durchschnittlichen Körpermasse der jeweiligen Tierart betrachtet, ergibt sich kein realistisches Bild: Da liegt die Spitzmaus an der Spitze, deren Gehirn etwa vier Prozent des Körpergewichts ausmacht - also deutlich mehr als der Mensch, dessen 1,3 bis 1,5 Kilo schweres Gehirn im Schnitt etwa zwei Prozent des Körpergewichts auf die Waage bringt.

Kognitive Reserve

Pietschnig verweist aber auch auf andere Faktoren, die einen starken Einfluss von Gehirnvolumen und Intelligenz infrage stellen: So haben etwa Männer im Durchschnitt größere Gehirne als Frauen, es gibt aber keine Geschlechtsunterschiede bei den generellen kognitiven Fähigkeiten. Auch Personen mit Megalenzephalie (übermäßige Vergrößerung des Gehirns, Anm.), würden im Allgemeinen unterdurchschnittliche IQ-Testleistungen erbringen.

Der in der Meta-Studie festgestellte schwache Zusammenhang zwischen Gehirngröße und IQ-Testleistung wird von den Wissenschaftlern eher als Art "kognitive Reserve" interpretiert: "Wenn gewisse Hirnareale nur suboptimal funktionieren, kann man offenbar auf diese Reservekapazität im Sinne von Hardware zurückgreifen", sagte Pietschnig.

science.ORF.at/APA

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