Standort: science.ORF.at / Meldung: "Manche Arten mögen den Klimawandel"

Ein Steinschmätzer sitzt

Manche Arten mögen den Klimawandel

Durch den Klimawandel wird es nicht nur wärmer, auch der Frühling beginnt in Europa immer früher. Manche Vögel profitieren davon, wie eine Studie zeigt: etwa Stieglitz und Steinschmätzer.

Vögel 21.10.2015

Wenn 50.000 Menschen an einer Studie arbeiten, dann kann man das wohl nur als "Big Science" bezeichnen, oder? "Natürlich", sagt Peter Soegaard Joergensen von der Universität Kopenhagen. "'Big Science' betreiben nicht nur die Physiker. Auch die Ökologen tun es - nur brauchen sie keine Teilchenbeschleuniger dazu."

Dafür benötigte das Team um Joergensen für ihr Großprojekt Freiwillige - Laienforscher und Vogelkundler, die eine Art von der anderen zu unterscheiden wissen, und bereit sind, das Federvieh in ihrer Freizeit zu beobachten. 20 Jahre haben das 50.000 Amateure aus 18 Ländern gemacht, die Ergebnisse dieser Langzeitstudie sind nun im Fachblatt "Global Change Biology" nachzulesen.

Auch das Wann entscheidet

Sie zeigt: Die Auswirkungen des Klimawandels auf die europäische Vogelwelt sind unterschiedlich. Manche Arten leiden darunter, Spatz, Aaskrähe, Wiesenpieper und Birkenzeisig sind in den letzten zwei Jahrzehnten seltener geworden. Andere wiederum fühlen sich bei höheren Temperaturen sogar wohler. Solche Klimagewinner sind etwa Türkentaube, Stieglitz, Steinschmätzer und Heidelerche.

Gartentrotschwanz auf einem Ast sitzend

Mark Hamblin (rspb-images.com)

Der Gartenrotschwanz, ein Zugvogel, profitiert vom Klimawandel

Grundsätzlich gilt: Diejenigen Arten, die früher schon in wärmeren Gebieten zu Hause waren, stellen sich auch auf die geänderten Bedingungen gut ein. Die an Kälte angepassten Arten hingegen bekommen Probleme. Vor allem dann, wenn sie nicht ausweichen können - wie das meist auch bei anderen Tiergruppen der Fall ist.

Wobei das mit dem Begriff "zu Hause" so eine Sache ist. Denn bei Vögeln gibt ja neben den sesshaften auch noch nomadische Arten. Und in dieser Kategorie wiederum Kurz- und Langstreckenzieher. Alle drei Gruppen reagieren offenbar auf den Klimawandel unterschiedlich, wie Joergensens Analyse zeigt.

Verlierer überwiegen

Anders ausgedrückt: "Es kommt nicht nur darauf an, wie stark der Klimawandel ist, sondern auch, wann er sich bemerkbar macht", sagt Joergensen. Für die Sesshaften (Typus "Spatz") sind vor allem warme Winter von Bedeutung, auf der Kurzstrecke (Typus "Stieglitz") zählt vor allem das Datum des Frühlingsbeginns - und auf der Langstrecke (Typus "Steinschmätzer ") ist die Sommertemperatur entscheidend. Im Fall des letzteren gilt übrigens: je wärmer desto besser.

Was allerdings nicht bedeuten soll, dass die Temperaturbuchhaltung ausgeglichen ist. Überblicksstudien zeigen, dass die Zahl der Klimawandelverlierer die Gewinner deutlich übersteigt. Und selbst dieses Verhältnis könnte sich langfristig noch verschlechtern. Dann nämlich, wenn die Toleranzgrenze der an sich wärmeliebenden Arten überschritten wird.

Robert Czepel, science.ORF.at

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