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Ein Brüllaffe blickt in die Kamera

Tiefe Stimme, weniger Spermien

Brüllaffen heißen nicht nur so, sondern können wirklich gut brüllen. Grund dafür sind lange Stimmbänder und ein einzigartiges Zungenbein. Je größer es ist, desto tiefer klingen die Männchen – was Weibchen anziehend finden. Das hat laut einer neuen Studie aber unangenehme Folgen: Denn die tieferen Stimmen gehen mit kleineren Hoden einher.

Biologie 22.10.2015

Dadurch produzieren die Affen auch weniger Spermien. Was ein internationales Forscherteam unter Beteiligung von Biologen um Tecumseh Fitch von der Universität Wien nun herausgefunden hat, wurde schon von Charles Darwin als Effekt sexueller Selektion beschrieben.

Demnach müssen Arten oft Kompromisse zwischen Merkmalen eingehen, die entweder im Wettbewerb um Partner oder bei der Fortpflanzung vorteilhaft sind.

Die Studie:

"Evolutionary Trade-Off between Vocal Tract and Testes Dimensions in Howler Monkeys" von Jacob Dunn und Kollegen ist am 22. 10. 2015 in der Fachzeitschrift "Current Biology" erschienen.

"Güterabwägung" der Evolution

Die Forscher haben die Ausmaße der Vokaltrakte von Brüllaffen untersucht und die Rufe der Männchen von insgesamt verschiedenen Arten gesammelt. Es zeigte sich, dass bei Arten, bei denen nur ein Männchen in der Gruppe lebte, Tiere mit den tiefsten Stimmen einen hohen Preis für bezahlen: Das größere Zungenbein hängt mit kleineren Hoden zusammen.

"Im Fall der Brüllaffen konnten wir erstmals einen Abtausch zwischen Kehlkopfgröße und Hodengröße nachweisen", erklärte Fitch in einer Aussendung der Uni Wien. Bei Arten mit einer größeren Zahl von Männchen pro Gruppe nahm hingegen die Hodengröße zu – was auf die Bedeutung der Spermienkonkurrenz hinweist. Aber auch hier zeigte sich, dass Männchen mit größeren Hoden kleinere Zungenbeine hatten.

Brüllaffen beim Brüllen

Mariana Raño

Brüllaffen beim Brüllen

Die Ursachen für diese "Güterabwägung" in der Evolutionsgeschichte sind noch unklar. Die Investition in einen mächtigen Stimmapparat könnte so hoch sein, dass die Energie für größere Hoden einfach nicht mehr reicht, vermutet der Studienerstautor Jacob Dunn von der Universität Cambridge.

Es könnte aber auch sein, dass ein großer Stimmapparat zur Abwehr von Rivalen so effizient ist, dass es gar nicht nötig ist, größere Hoden zu entwickeln. Von detaillierten Analysen der Anatomie des Stimmapparates von Brüllaffen erhoffen sich die Forscher ein besseres Verständnis über die Akustik der Rufe der Tiere.

science.ORF.at/APA

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