Standort: science.ORF.at / Meldung: "Borkenkäfer kostet Waldbesitzer 40 Mio. Euro"

Ein Borkenkäfer

Borkenkäfer kostet Waldbesitzer 40 Mio. Euro

Er wirkt klein und unscheinbar, ist aber einer der gefährlichsten Baumschädlinge in Österreich: Der Borkenkäfer hat sich heuer massenhaft vermehrt. Experten rechnen mit bis zu 40 Millionen Euro Schaden. Der Grund liegt nicht weit in der Vergangenheit.

Schädlinge 30.10.2015

Bohrmehl und dünne Wipfel

Bohrmehl tritt aus einem Borkenkäferloch aus.

Bundesforschungszentrum für Wald (BFW)

Bohrmehl tritt aus einem Borkenkäferloch aus.

Ö1 Sendungshinweis:

Über den Borkenkäfer berichtete auch "Wissen Aktuell am 30. Oktober 2015 um 13.55 Uhr.

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Der Borkenkäfer und seine Larven zerstören jenes Gewebe im Stamm, das den Baum mit Wasser und Nährstoffen versorgt. Tausend Käfer reichen aus, um auch den gesündesten Baum umzubringen. Heuer sind die Schäden durch den Borkenkäfer besonders groß, betroffen sind vor allem Niederösterreich, die Steiermark, Kärnten und Oberösterreich. Der Schaden entsteht in erster Linie dadurch, dass der Holzpreis wegen des Befalls stark sinkt und Jungbäume nicht nachwachsen können.

Von außen kann ein Befall zu Beginn nur durch die Bohrlöcher erkannt werden, in weiterer Folge tritt das Bohrmehl aus, eine Masse aus sehr feinen Holzspänen und Harz. Ist ein Baum schon geschwächt, fallen bei den am häufigsten betroffenen Nadelbäume grüne Nadeln ab und die Wipfel werden durchsichtig. Laubbäume werfen vorzeitig ihre Blätter ab.

Stress für den Wald

Die Experten sehen vor allem einen Grund für die massenhafte Vermehrung des Schädlings: die Sommerhitze. "Extreme Hitze und Dürre stressen den Wald, die Bäume werden weniger widerstandsfähig und dadurch anfälliger für den Borkenkäfer", sagt Peter Mayer, Direktor des Bundesforschungszentrums für Wald (BFW). Und bei einem bereits geschwächten Baum reichen schon 100 Käfer, damit er abstirbt.

Hinzukommt, dass sich bei hohen Temperaturen die Entwicklungszyklen der Käfer verkürzen. Heuer im Sommer entstanden deshalb statt ein bis zwei drei Käfergenerationen. Deshalb sei es umso wichtiger, dass sofort gehandelt wird, sagt BFW-Experte Peter Mayer: "Wir empfehlen bis in den Spätherbst hinein wöchentliche Waldbegehungen und die sofortige Entfernung befallener Bäume. Und das muss im Frühjahr wiederholt werden."

"Käferbäume" entfernen

Faßschäden durch den Borkenkäfer

dpa

Das Fraßbild des Kupferstechers, einer Borkenkäferart, in der Rinde eines Nadelbaums.

Achtsamkeit im Frühjahr sei besonders wichtig, weil Borkenkäfer im Boden und in der Rinde überwintern und auch Fröste überleben. Die Experten rechnen damit, dass die Insekten mit den Frühlingstemperaturen wieder ausschwärmen und neue Bäume befallen.

Ein sogenannter "Käferbaum" muss sofort entfernt werden, betont der Experte: "Wenn ein Baum befallen ist und man ihn stehen lassen würde, dann würden sich die Insekten dort explosionsartig vermehren und man müsste - je nach Größe des Baumes - mit zehn- bis hunderttausenden Käfern rechnen."

Um die Gefahr, dass viele Käfer überwintern und sich die Situation im nächsten Jahr wiederholt, zu verringern, wird das Landwirtschaftsministerium heuer und nächstes Jahr jeweils neun Millionen Euro in Vorbeugung und Bekämpfung investieren. Außerdem sollen auch Försterinnen und Förster Bäume hinsichtlich Borkenkäferbefall kontrollieren und das Thema in Aus- und Weiterbildungen forciert werden.

Elke Ziegler, science.ORF.at

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