Standort: science.ORF.at / Meldung: "Zukunftsideen aus der Wunderkammer"

Ausstellungsobjekt aus der "Wiener Wunderkammer" (Ausschnitt)

Zukunftsideen aus der Wunderkammer

Wundern erlaubt, heißt es bei der Ausstellung "Wiener Wunderkammer", die ab morgen an der der Technischen Universität Wien zu sehen ist. Sie richtet ihren Blick aber nicht nur in die Vergangenheit, sondern stellt die Frage nach dem, was kommen könnte, und präsentiert kuriose Antworten.

Ausstellung 04.11.2015

"What's next?"

Wird es im Jahr 2040 möglich sein, "Menschen nach Maß" zu erzeugen? Wird es Geld als Zahlungsmittel überhaupt noch geben? Werden wir eines Tages nur noch virtuell Urlaub machen und z.B. den Machu Picchu mittels Virtual Reality Brille erkunden? Diesen und vielen anderen Fragen widmen sich Künstler, Wissenschaftler und Techniker gemeinsam in einer einwöchigen Ausstellung der Technischen Universität Wien.

Das Ergebnis ist eine "Wunderkammer", die zum Staunen, Bewundern, Ausprobieren und insbesondere zum Nachfragen einlädt. Denn die Austeller stehen den Besuchern Rede und Antwort. "Man kann mit ihnen während der gesamten Ausstellung sprechen und nachfragen", erklärt der Kurator Christoph Überhuber gegenüber science.ORF.at, "damit haben wir wirklich ein Alleinstellungsmerkmal, da es so etwas kaum gibt - höchstens bei Vernissagen."

"Zu sehr aufs Detail fokussiert"

Veranstaltungshinweis:

Die Wiener Wunderkammer ist von 5. bis 11. November im Prechtl-Saal der Technischen Universität Wien zu sehen. 30 Projekte aus unterschiedlichsten wissenschaftlichen Disziplinen sowie aus der zeitgenössischen Kunst sind dort ausgestellt. Ziel ist es, das Wechselspiel und Zusammenwirken dieser Bereiche zu zeigen, Brücken zu schlagen und einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Ö1 Sendungshinweis:

Darüber berichtet auch Wissen Aktuell am 5.11. um 13:55.

res Futura von Stephanie Balih

Wiener Wunderkammer, Technische Universität Wien

Installation "res Futura" von Stephanie Balih.

Christoph Überhuber ist nicht nur Ausstellungskurator, sondern auch Schöpfer der "Wiener Wunderkammer". Die Idee - Wissenschaft und Kunst zu verbinden - ist nicht zuletzt auf seine eigenes "Doppelleben" als Mathematiker und Künstler zurückzuführen: "Die Verbindung von Kunst, Wissenschaft und Technik ist eine große Bereicherung und sehr wichtig. Die Wissenschaft beschränkt sich sehr oft auf ein allzu schmales Gebiet, was dazu führt, dass man andere Bereiche kaum versteht."

Die Ausstellung soll letztlich dazu dienen, den engen Fokus auf die verschiedenen Bereiche der Wissenschaft zu öffnen. "Es braucht solche Impulse. Wir wollen damit ein Schauen über die Grenzen ermöglichen oder wenn man so will, auch die Fenster des Elfenbeinturms aufmachen, damit sich die Akteure gegenseitig inspirieren“, meint Überhuber. Dabei schwärmt er von früheren "Universalgenies" wie beispielsweise Leonardo Da Vinci, der neben Maler und Bildhauer auch Architekt, Anatom, Mechaniker, Ingenieur und Naturphilosoph war.

Wunderkammer der Renaissance

kunst-nudeldrucker
tactile paintings einmal anders
Andreas Reichinger

Wiener Wunderkammer, Technische Universität Wien

"Kunst-Nudeldrucker" von Andreas Reichinger

Vorbild der "Wiener Wunderkammer" sind die gleichnamigen Wunderkammern aus der Spätrenaissance und Barockzeit, wie man sie beispielsweise im Kunsthistorischen Museum bewundern kann. Damals haben Fürsten und vermögende Bürger besonders attraktive und kuriose Stücke gesammelt und in einer oft relativ ungeordneten Weise ihren Besuchern präsentiert. "So etwas Ähnliches machen wir hier", erklärt Überhuber.

So sind die 30 ausgewählten Werke der "Wiener Wunderkammer" vielfältig und verbinden Kunst, Wissenschaft und Technik auf unterschiedliche Weise.
Eine Installation beispielsweise trägt den Titel "res futura" und setzt sich mit der Utopie auseinander, Menschen künstlich und nach gesellschaftlichen Idealvorstellungen erzeugen zu können. Ein anderes Werk wiederum lässt sich von Platon inspirieren („..da es aber noch eine fünfte Zusammensetzung gibt, bediente sich
der Gott ihrer bei der Ausschmückung des Alls.“Platon, Timaeus, 55) und entführt den Besucher mittels Bilder, Skulpturen und Videos in die fünfte Dimension sowie deren Bedeutung in der Quanten-Physik.

Ohne Vorgaben

Foto "schwimmer"
Marko Zink

Wiener Wunderkammer, Technische Universität Wien

Aus der Fotoserie "schwimmer" von Marko Zink

"Es gab keine Vorgaben, außer der Zukunftsfrage „WHAT`S NEXT?", so Überhuber weiter. Das galt für die Künstler, Wissenschaftler und Techniker gleichermaßen wie für die fünfköpfige Jury, die aus 100 Einsendungen schließlich 30 Ausstellungsstücke auswählte und zu der neben den Künstlerinnen Valie Export und Elisabeth von Samsonow auch die Biochemikerin Renée Schröder, die Direktorin des Technischen Museums Wien Gabriele Zuna-Kratky als auch Martin Bernhofer, Leiter der Ö1-Abteilung "Wissenschaft, Bildung, Gesellschaft" gehörten.

Wenn es nach Überhuber geht, sollen in den nächsten Jahren - neben weiteren Wunderkammern - zusätzliche gemeinsame Projekte von Wissenschaftlern und Künstlern entstehen und für einen regen Ideen- und Gedankenaustausch sorgen: "Wenn man aufmerksam durch die Ausstellung geht, entdeckt man die interessantesten Querverbindungen zwischen den Bereichen. Hier steckt einfach ein unglaubliches Potenzial, woraus man wirklich etwas machen kann."

Ruth Hutsteiner, science.ORF.at

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