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Frau im Sudan beim Abfüllen von Wasser

Weltbank: Klimaerwärmung verstärkt Armut

Wenn die Erderwärmung nicht gestoppt wird, werden bis zum Jahr 2030 hundert Millionen mehr Menschen in extremer Armut leben als heute: Davor warnt die Weltbank. Besonders stark von den Folgen einer gescheiterten Klimapolitik werde Afrika betroffen sein.

Klimagipfel 09.11.2015

So könne der Klimawandel zu einer deutlichen Erhöhung der Lebensmittelpreise führen. Da in Afrika die ärmsten Haushalte 60 Prozent ihrer Ausgaben für Lebensmittel aufbringen, würde dies "einen sehr harten Schlag für die Region" bedeuten, heißt es in einem am Sonntag in Washington veröffentlichten Bericht der Weltbank.

Warnung vor Klimagipfel in Paris

Auch für die Menschen in den Staaten Südasiens sehen die Weltbankexperten besondere hohe Risiken. Allein in Indien könnten nach ihren Berechnungen durch den Klimawandel, Erschütterungen der Landwirtschaft und eine schnellere Ausbreitung von Krankheiten 45 Millionen Menschen in extreme Armut geraten, also weniger als 1,90 Dollar (1,76 Euro) am Tag zur Verfügung haben.

Die Studie

"Shock Waves : Managing the Impacts of Climate Change on Poverty" ist auf der Homepage der Weltbank erschienen.

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Klimakonferenz Paris

Anlässlich der bevorstehenden Weltklimakonferenz (COP21) vom 30.11. bis 11.12. in Paris berichtet der ORF in Radio, TV und Internet über Klimapolitik und den aktuellen Stand der Klimaforschung.

Der Weltbankbericht wurde wenige Wochen vor dem Beginn des UNO-Klimagipfels in Paris veröffentlicht, bei dem Vertreter aus 195 Staaten ein neues weltweites Klimaabkommen zur Reduzierung von Treibhausgasen aushandeln wollen. Das Abkommen, das erstmals auch die Schwellen- und Entwicklungsländer zur Reduzierung ihres Kohlendioxidausstoßes verpflichten soll, soll vom Jahr 2020 an das Kyoto-Protokoll ablösen.

Erklärtes Ziel der Weltgemeinschaft ist es, die globale Erwärmung auf zwei Grad über dem Temperaturdurchschnitt vorindustrieller Zeit zu begrenzen. Andernfalls drohen ein Schmelzen der Gletscher, ein Anstieg der Meeresspiegel sowie eine Zunahme von Stürmen und anderer extremer Wetterphänomene.

Meeresspiegelanstieg gefährdet hunderte Millionen

Wie groß die Gefahren sein könnten, zeigt eine weitere aktuelle Studie: Eine Klimaerwärmung um vier Grad Celsius wird laut der US-Forschungsorganisation Climate Central weltweit 470 bis 760 Millionen Menschen in Küstenregionen gefährden. Bei einem Temperaturanstieg von zwei Grad Celsius wären immer noch 130 Millionen Menschen vom höheren Meeresspiegel betroffen.

Aufbauend auf einer im Oktober veröffentlichten Studie mit Daten für die USA legen die Forscher vor dem Weltklimagipfel in Paris nun interaktives Kartenmaterial für die gesamte Welt vor: Am stärksten trifft es demnach China, wo 145 Millionen Menschen in überflutungsbedrohten Regionen leben. Dort wäre auch der Effekt einer Erwärmung um nur zwei Grad am höchsten: Dann wären nur noch 64 Millionen Menschen gefährdet. In zwölf weiteren Nationen - darunter Indien, Bangladesch und Vietnam - müssten jeweils mehr als zehn Millionen Menschen dem Wasser weichen.

Zu den zehn am meisten gefährdeten Megastädten zählen Shanghai, Hongkong, Kalkutta und Mumbai. Auf interaktiven Karten können die verschiedenen Szenarien für alle Regionen der Welt betrachtet werden.

science.ORF.at/APA/dpa/AFP

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