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Senegal, Afrika: Frau geht über ausgetrocknete Landschaft

Klimawandel: Afrika in Not

Der Klimawandel ist ein globales Phänomen - doch seine Auswirkungen auf Mensch und Natur sind es nicht. Unter dem Klimawandel haben vor allem die armen Länder zu leiden. In Afrika ist die Situation mittlerweile dramatisch: "Die Menschen sterben wie die Fliegen", sagt der Naturschutzexperte Mamadou Mbodji.

Krise 10.11.2015

"Vor einiger Zeit traf ich mich mit einem Bauern aus dem Senegal. Als ich mit ihm plauderte, zeigte er auf den Ozean hinaus und sagte zu mir: 'Hier wurde ich geboren.'" Anekdoten wie diese hat Mamadou Mbodji viele zu erzählen.

Der Präsident des Afrika-Netzwerks der Naturfreunde will bei der kommenden Weltklimakonferenz in Paris auf die Notlage Afrikas aufmerksam machen. Er wird dort nicht nur über den steigenden Meeresspiegel und über die Versalzung des küstennahen Bodens sprechen.

Der Regen bleibt aus

"75 Prozent der Bevölkerung Afrikas leben von der Landwirtschaft. Unsere Landwirtschaft ist zu 95 Prozent vom Niederschlag abhängig. Doch der Regen bleibt durch den Klimawandel aus", sagt Mbodji gegenüber science.ORF.at. "Sie können sich leicht vorstellen, welche Auswirkungen das hat. Das Leben der Menschen ist in Gefahr."

Klimakonferenz in Paris

Anlässlich der bevorstehenden Weltklimakonferenz (COP21) vom 30.11. bis 11.12. in Paris berichtet der ORF in Radio, TV und Internet über Klimapolitik und den aktuellen Stand der Klimaforschung.

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Mamadou Mbodji

ORF/Czepel

Mamadou Mbodji, Naturschutzexperte aus dem Senegal

Die Liste der Probleme ließe sich beliebig fortsetzen: Der Tschad-See ist heute nur noch ein Zehntel so groß wie in den 60er Jahren; der Kilimandscharo, der höchste Berg Afrikas, trägt auf seinem Gipfel kaum noch Schnee; die landwirtschaftlichen Erträge schrumpfen, und die Hungersnöte werden von Jahr zu Jahr schlimmer: Laut Angaben der Vereinten Nationen sind wegen einer außergewöhnlichen Dürreperiode allein im südlichen Afrika 13,5 Millionen Menschen gefährdet.

Freilich: All das hat nicht nur klimatische Ursachen. Hunger und Krankheiten, Ausbeutung und Kriege hat es in Afrika auch vor dem Anstieg der globalen Temperatur gegeben. Doch der Klimawandel macht die Probleme auf dem zweitgrößten Kontinent der Erde noch dramatischer, als sie es ohnehin sind.

Die Ärmsten leiden am meisten

Betrachtet man die Misere mit Blick auf die Ursachen, zeigt sich ein großes Paradox. Denn es waren die reichen Nationen, die das Klimasystem aus dem Gleichgewicht gebracht haben.

Unter den Auswirkungen indes hat vor allem der globale Süden zu leiden - jene Länder also, die am wenigsten am Klimawandel Schuld sind. Und jene Länder sind es denn auch, die weder das Geld noch die technologischen Mittel besitzen, um etwas dagegen zu tun.

Hier setzt das Konzept der Klimagerechtigkeit an. Die Verursacher aus dem Westen müssten endlich Verantwortung übernehmen und den Leidtragenden helfen, heißt es. Das fordern nicht nur die Entwicklungsländer, sondern auch viele NGOs aus dem Westen.

"Kopenhagen war eine Enttäuschung"

Hat diese Forderung bei der nächsten Weltklimakonferenz in Paris Aussicht auf Verwirklichung? Mamadou Mbodji ist nicht sonderlich optimistisch. "Vor der Klimakonferenz im Jahr 2009 in Kopenhagen hatte ich große Hoffnungen. Sie wurden enttäuscht - wie auch in den Jahren darauf. Ich bin mir nicht sicher, ob das diesmal anders sein wird."

Nimmt man die Ankündigungen der westlichen Staaten als Maßstab, könnte sich diesmal zumindest manches ändern. In Paris soll eine Nachfolgeregelung des 2020 auslaufenden Kyoto-Protokolls gefunden werden. Und diesmal sollen nicht nur ein paar (zumindest auf dem Papier) engagierte Länder daran teilnehmen, sondern die gesamte Staatengemeinschaft inklusive USA, China und der Entwicklungsländer.

Kommt der solidarische Umschwung?

Das Problem ist: Nennenswerte Einsparungen bei Emissionen zum Schutz des Klimas zu erreichen, ist an sich schon schwierig genug. Denn sie stehen dem wirtschaftlichen Eigennutz der Nationalstaaten entgegen, der - das zeigt zumindest die Erfahrung - immer noch stärker wiegt als das globale Umweltbewusstsein.

Klimagerechtigkeit umzusetzen hieße letztlich, den Egoismus noch ein zweites Mal, nämlich zugunsten des globalen Südens zu überwinden. "Es geht um Solidarität", sagt Mbodji.

Vor einigen Jahren ist in einer amerikanischen Zeitung ein Cartoon erschienen, der die Schwierigkeit der Ausgangslage veranschaulicht:

Ein Mann aus dem Westen bereist mit seinem dicken Auto ein Entwicklungsland - und versucht einen Bewohner davon abzuhalten, einen Baum zu fällen. Sein Argument: "Wir brauchen diesen Baum, um uns vor dem Klimawandel zu schützen!" Wir bräuchten diesen Baum tatsächlich. Es bei dieser Feststellung zu belassen, wäre freilich eine traurige Pointe.

Robert Czepel, science.ORF.at

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