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Künstlerische Darstellung: Entsheung eines Planeten aus einer protoplanetaren Scheibe

Erstmals beobachtet: Die Geburt eines Planeten

Premiere im All: US-Amerikanische Astronomen haben erstmals Gas- und Staubteilchen entdeckt, die sich gerade zu einem Planeten zusammenballen. Die Entdeckung könnte die Planetenkunde revolutionieren.

Entdeckung 19.11.2015

Die bisher bekannten Exoplaneten sind mehr oder weniger "ausgewachsen". Zumindest kannte man bisher keinen sogenannten Protoplaneten - ein Planet, der gerade im Begriff ist, sich zu formieren. Diese Lücke schloss nun ein Team um Stephanie Sallum von der Universität von Arizona in Tucson. Die Forscher entdeckten im Umfeld des zwei Millionen Jahre alten - und damit relativ jugendlichen - Sternes LkCa 15 eine riesige Gas- und Staubscheibe. Der Stern gehört zum Sternbild Stier und ist rund 400 Lichtjahre von der Erde entfernt.

In statu nascendi

Laut Theorie sind Gas und Staub das Rohmaterial für werdende Planeten. Bei der Erde fand die Zusammenballung der im Weltraum verteilten Partikel vor rund 4,6 Milliarden Jahren statt. Genau dieses Frühstadium sahen die Forscher im Umfeld von LkCa 15 bei ihren Messungen mit Teleskopen. Im Inneren des Sternsystems war die Gas- und Staubscheibe bereits weitgehend leergeräumt, und im freien Raum hatten sich die Teilchen offenbar schon zu einem Babyplaneten verdichtet (siehe Video).

Die Studie

"Accreting protoplanets in the LkCa 15 transition disk", erschien am 18. November im "Nature".

(c) Video: Andrew Shuta (University of Arizona), Laird Close (University of Arizona), NASA/JPL-Caltech, Andrea Isella (Rice), Sallum et al. Nature 2015.

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Wie die Forscher im Fachblatt "Nature" schreiben, konnten sie mit Teleskopen in Chile und den USA die charakteristische Strahlung von 9.700 Grad heißem Wasserstoffgas sowie das Leuchten von glühend heißem Staub nachweisen, die auf den jungen Planeten fallen und ihn so wachsen lassen.

Der Planet bekam von den Forschern den Namen LkCa 15b. Den Namen wird man sich für die Zukunft merken müssen, denn die von den Forschern verwendete Methode könnte zu einer Vielzahl ähnlicher Entdeckungen führen. Die Studie stellt auch die Theoretiker vor neue Herausforderungen: Sie müssen nun erklären, wie sich innerhalb von nur zwei Millionen Jahren ein Planet bilden konnte, der 15- bis 16-mal so weit von seinem Stern entfernt ist wie die Erde von der Sonne.

science.ORF.at

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