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Autos auf der Autobahn in der Abenddämmerung

Verkehr: CO2-Ausstoß könnte halbiert werden

Im Verkehrswesen könnten weit mehr CO2-Emissionen eingespart werden als bisher vermutet. Bis 2050 wäre eine Halbierung möglich, berichten Forscher in einer neuen Studie. Voraussetzungen dafür: weniger Spritverbrauch, mehr öffentlicher Verkehr und mehr Elektroautos.

Umwelt 20.11.2015

Die Gegenwart sieht anders aus: Der Transportsektor ist insgesamt für 23 Prozent der Emissionen verantwortlich, eine Reduktion sei nicht in Sicht. Berechnungen des Weltklimarates (IPCC) zufolge könnte sich der Ausstoß im Vergleich zu 2010 bis 2050 sogar verdoppeln.

Das liegt vor allem an der schnell fortschreitenden Motorisierung in China, Indien und Südostasien. Laut dem internationalen Team an Forschern – darunter David McCollum vom Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien – gibt es aber Anlass für verhaltenen Optimismus: wenn die Politik rasch handle.

Car-Sharing, E-Bikes, Schienenverkehr

Die Studie

"Transport: A roadblock to climate change mitigation?" von Felix Creutzig und Kollegen ist am 19. November 2015 in "Science" erschienen.

Klimakonferenz Paris

Anlässlich der bevorstehenden Weltklimakonferenz (COP21) vom 30.11. bis 11.12. in Paris berichtet der ORF in Radio, TV und Internet über Klimapolitik und den aktuellen Stand der Klimaforschung.

Für die Erhebung werteten die Forscher Szenarien des Weltklimarates IPCC und eines Modells zur Bewertung des Treibhauseffekts aus. Zudem schauten sie sich spezielle Daten zu einzelnen Bereichen wie etwa dem Personenverkehr an Land an.

"Elektromobilität im großen Stil könnte entscheidend dafür sein, dass die CO2-Emissionen im Transportsektor bis 2050 halbiert werden", erklärte Felix Creutzig vom Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) in Berlin in einer Aussendung. "Das ist extrem ambitioniert", räumte er ein.

Um die Halbierung zu erreichen, müssten Car-Sharing-Konzepte großflächig ausgerollt, elektrische Fahrräder stärker genutzt und der Schienenverkehr deutlich ausgebaut werden. Auch die bessere Planung der städtischen Infrastruktur könne einiges bewirken, indem darauf geachtet wird, dass viele Wege gar nicht gefahren werden müssen bzw. in öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden.

Da damit zu rechnen sei, dass sich die Effizienz der herkömmlichen Automobilflotte nach 2025 nur noch marginal steigern lasse, bleibe nur der Wechsel des Brennstoffes. Angesichts sinkender Batteriepreise seien Elektroantriebe laut der neuen Studie gegenüber Motoren mit Biotreibstoffen oder Wasserstoff in einer besseren Position.

"Mit Blick auf eine echte Transformation des Transportsektors im Sinne des Klimaschutzes waren die Politiker weltweit bisher wohl etwas zu schüchtern", erklärte der IIASA-Forscher McCollum. Bei der am 30. November in Paris beginnenden UNO-Klimakonferenz sollte dem Bereich daher mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden.

science.ORF.at/APA

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