Standort: science.ORF.at / Meldung: "Stipendien für Jungforscherinnen"

Eine Hand füllt aus einer Pipette Flüssigkeit in eine andere

Stipendien für Jungforscherinnen

Antikörper als Mittel zur Diagnose von Multipler Sklerose und der Wasserhaushalt von Zwergsträuchern im alpinen Raum – das sind zwei der vier Forschungsprojekte, die gestern mit dem "For Women in Science" Forschungsstipendium in Wien ausgezeichnet wurden.

Auszeichnete Forschung 24.11.2015

Seit 2007 vergibt L’Oreal Österreich in Kooperation mit UNESCO Österreich und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ein Stipendium an junge Forscherinnen, um ihnen den Einstieg in eine wissenschaftliche Karriere zu erleichtern. Eine der Wissenschaftlerinnen, die in diesem Jahr mit einem Forschungsstipendium in Höhe von 20.000 Euro ausgezeichnet wurde, ist die Neuroimmunologin Simone Mader.

Links:

Sendungshinweis:

Über dieses Thema berichtet auch "Wissen aktuell" am 24. November um 13:55 Uhr.

In New York forscht sie derzeit im Rahmen einer Post-Doc Stelle am Labor für Autoimmune Erkrankungen zu Multipler Sklerose: "MS ist eine sehr heterogene Autoimmunerkrankung. Das Immunsystem attackiert sich selbst, was zu unterschiedlichen Symptomen führen kann – beispielsweise kann es dadurch zu Sprach- oder Sehbehinderungen kommen."

Genauer gesagt, greift der Körper im Falle von MS die Myelinscheiden der Nervenzellen an, die dafür verantwortlich sind, die Nervenreize weiterzuleiten. Dabei kommt es zu Entzündungen, die an verschiedenen Stellen im Gehirn auftreten können und die dann mitunter zu Lähmungen führen, erklärt Mader weiter gegenüber science.ORF.at.

Auf den Spuren von Antikörpern

Bis heute wirft die Krankheit viele Fragen auf: So gibt es noch keine genauen Erkenntnisse darüber, was die Krankheit verursacht oder wie man sie heilen könnte. Auch ist bis dato ungeklärt, warum Frauen mehr als doppelt so häufig davon betroffen sind wie Männer. Darüber hinaus erschwert der unterschiedliche Krankheitsverlauf eine gezielte Behandlung.

Am letzten Punkt setzt auch die Forschung der Neurowissenschaftlerin an. Dabei begibt sie sich auf die Suche nach Auto-Antikörpern, welche sich gegen die eigenen Proteine im Gehirn richten: "Es deutet alles darauf hin, dass Antikörper zumindest in einer Subgruppe eine wichtige Rolle spielen. Nun suchen wir nach einem Biomarker, der es bereits in einem frühen Stadium ermöglicht, die entsprechenden Antigene und somit die Art der MS zu diagnostizieren. Auf diese Weise könnte man eher mit einer gezielten Therapie beginnen“, erklärt die Neuroimmunologin.

Bereits während ihres Doktoratstudiums an der Universität Innsbruck hat die Neurowissenschaftlerin ein Verfahren mitentwickelt, mit dem bestimmte Antikörper im Gehirngewebe aufgespürt werden können. Ihre Forschung möchte die Neuroimmunologin nun in Österreich fortsetzen.

Effizienter Wasserhaushalt

Ein weiteres Stipendium geht an die Botanikerin Andrea Ganthaler von der Universität Innsbruck. Sie geht der Frage nach, wie sich die Heidel- oder Preiselbeere sowie andere Zwergsträucher an extreme Lebensräume wie die Alpen anpassen können: „Es geht darum, wie die Pflanzen am effizientesten Wasser aufnehmen, zu den verschiedenen Pflanzenorganen weiterleiten, es teilweise auch speichern können und wie sie es so schaffen, auch trockenere Perioden zu überdauern“, erklärt Ganthaler im Interview mit science.ORF.at.

Dabei zeigen erste Forschungsergebnisse der Botanikerin, dass Zwergsträucher wesentlich risikofreudiger sind als beispielsweise Bäume, die im rauen Gebirgsklima nicht mehr wachsen. "Das heißt, sie riskieren eine Unterbrechung im Wasserleitsystem, weil sie es im Gegensatz zu Bäumen leichter reparieren können. Wir müssen aber noch weitere Pflanzen untersuchen, um diese These wirklich bestätigen zu können", so Ganthaler.

Ob und wie sich Zwergsträucher auch weiterhin an extremere Dürre-, Kälte sowie Regenperioden anpassen können, ist fraglich, wird aber angesichts des Klimawandels entscheidend sein.

Ruth Hutsteiner, science.ORF.at

Mehr zum Thema: