Standort: science.ORF.at / Meldung: ""Science Buster" Heinz Oberhummer tot"

Archivbild 2011: Physiker Heinz Oberhummer

"Science Buster" Heinz Oberhummer tot

Der österreichische Physiker, Kosmologe und Kabarettist Heinz Oberhummer ist tot. Am Dienstag erlag er im Alter von 74 Jahren einer Lungenkrankheit. Oberhummer war neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit zuletzt vor allem als Mitglied der Kabarettgruppe "Science Busters" bekannt.

Todesfall 25.11.2015

Oberhummer wurde am 19. Mai 1941 in Bischofshofen (Salzburg) geboren und wuchs als "Sohn des Oberlehrers Oberhummer in Obertauern" auf, wie er selbst über sich schrieb.

Nach der Hauptschule in Radstadt ging er als 14-Jähriger in die USA, wo er auch die High School besuchte. Nach seiner Rückkehr und der Matura in Salzburg studierte er Physik und Mathematik in Graz und München.

1970 promovierte Oberhummer an der Uni Graz und wurde dort Uni-Assistent. 1973 wechselte er ans Atominstitut der Österreichischen Universitäten und habilitierte sich 1980 an der Technischen Universität (TU) Wien, wo er 1988 auch außerordentlicher Professor wurde. Forschungsaufenthalte führten ihn unter anderem nach Zürich, Straßburg, Leuven, Bergen, Washington, Gent und Notre Dame (USA).

Pionier des Science-Pop

Wissenschaftlich beschäftigte sich Oberhummer vor allem mit Kern-und Astrophysik. Schon in seiner Zeit als Uni-Lehrer bemühte er sich um die Popularisierung von Wissenschaft.

So nahm er etwa schon gemeinsam mit seinen "Science Busters"-Kollegen Werner Gruber und Martin Puntigam an der TU Hollywood-Blockbuster und TV-Serien unter die Lupe und analysierte, inwieweit die dort dargestellten Szenen physikalisch tatsächlich nachvollziehbar sind. Später wurde das Projekt auch auf Schulen ausgedehnt - Schüler sollten anhand von "Erin Brockovich" Chemie verstehen, mit "Deep Impact" Astronomie lernen und anhand von "Stirb langsam" Gravitation.

Nach seiner Pensionierung 2006 formierte Oberhummer mit Gruber und Puntigam die "Science Busters", deren gleichnamiges erstes Programm 2007 im Rabenhof zu sehen war. 2008 landete Oberhummer mit seinem populärwissenschaftlichen Buch "Kann das alles Zufall sein?" in den Bestsellerlisten. Im Jahr darauf wurde es zum "Wissenschaftsbuch des Jahres" gekürt.

Streitbarer Skeptiker

Daneben engagierte sich Oberhummer in religionskritischen Initiativen wie dem "Zentralrat der Konfessionsfreien" oder "Religion ist Privatsache" und propagierte das "Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien". Als Mitglied der "Skeptiker - Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften" (GWUP) kritisierte er immer wieder "Pseudowissenschaften" - unter anderem öffentlichkeitswirksam mit der Massen-Einnahme einer "Überdosis" homöopathischer Präparate.

Mit den "Science Busters" tourte Oberhummer von der Homebase im Wiener Rabenhof durch Österreich, Deutschland und die Schweiz. Ein noch breiteres Publikum fand die "schärfste Science Boygroup der Milchstraße" über Radio-Auftritte auf FM4 und TV-Gastspiele zunächst in "Dorfers Donnerstalk" und dann in eigenen ORF-Sendungen.

Erst im September erschien mit "Das Universum ist eine Scheißgegend" das neue Buch der "Science Busters". Die Premiere des gleichnamigen Kabarettprogramms musste damals verschoben werden - allerdings aufgrund einer schweren Erkrankung Grubers. Anfang November wurde den "Science Busters" der Deutsche Kleinkunstpreis 2016 zuerkannt.

ORF-Programmänderung

Anlässlich des Todes von Heinz Oberhummer ändert der ORF sein Programm: In "Wissen aktuell" (13:55 Uhr) wird heute ein Nachruf zu hören sein, auf der Ö1-Website wird es übedies die Möglichkeit geben, Teile aus dem Café Sonntag vom 8. November nachzuhören - die letzte Ö1-Sendung, in der Oberhummer zu Gast war.

Auch im TV wird heute ein Nachruf ausgestrahlt, und zwar in den "Seitenblicken" in ORF 2 (20.05 Uhr). Am 1. Dezember läuft in ORF eins um 23.00 Uhr eine "Science Busters"-Folge.

science.ORF.at/APA

Mehr dazu in wien.ORF.at