Standort: science.ORF.at / Meldung: "Neue Straßen bedrohen Afrikas Umwelt"

Ein Elefant in einer afrikanischen Savanne

Neue Straßen bedrohen Afrikas Umwelt

Afrika befindet sich im Umbruch: Die Bevölkerung wächst, weshalb es immer mehr Ackerflächen braucht. Zugleich investieren auch nicht-afrikanische Länder und Konzerne in Landwirtschaft und Mineralabbau. Riesig lange Straßen sollen dabei helfen – sind laut einer neuen Studie aber oft weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll.

Entwicklung 26.11.2015

Viele der in Afrika südlich der Sahara bereits gebauten oder geplanten Straßen, Bahnlinien und Leitungstrassen verbessern die landwirtschaftlichen Erträge nur gering, bedrohen die Umwelt aber massiv. Zu diesem Schluss kommt eine Forschergruppe um William Laurance von der James Cook University im australischen Cairns.

53.000 Kilometer lange Entwicklungskorridore

Die Studie

"Estimating the Environmental Costs of Africa’s Massive Development Corridors" von William Laurance und Kollegen ist am 25. November 2015 im Fachblatt "Current Biology" erschienen.

Die Ausgangslage laut den Forschern: Afrika verfüge über große Flächen kulturfähiges Land, dessen Erträge derzeit alles andere als optimal seien. In vielen Gegenden könnten bessere Straßen helfen, effizientere Bewirtschaftungsmethoden anzuwenden und damit die Erträge zu steigern.

Diese Aussichten ziehen ausländische Investoren – etwa aus dem Bereich Saatgut und Lebensmittelproduktion – an und könnten auch einen positiven Umwelteffekt haben: Indem Siedler aus Gegenden angelockt werden, die aus ökologischer Sicht besonders wertvoll sind und die dann als Naturschutzgebiete erhalten bleiben können.

Soweit die Theorie. In der Wirklichkeit sieht es hingegen oft anders aus, beklagt das Team um Laurance. Die Wissenschaftler nahmen deshalb 33 "Entwicklungskorridore" genauer unter die Lupe. Zehn davon bestehen bereits, neun sollen ausgeweitet werden und 14 befinden sich in Planung.

Bei Fertigstellung kämen sie zusammen auf eine Gesamtlänge von über 53.000 Kilometern. Sie verlaufen kreuz und quer über den Kontinent, zerschneiden Naturschutzgebiete und setzen bisher nur wenig besiedelte Gebiete einem hohen Umweltdruck aus.

Karte von Afrika, die die 33 Korridore zeigt

Current Biology, William F. Laurance et al.

Die 33 Entwicklungskorridore: jene mit (A) markierten sind bereits in Betrieb, (U) steht für in Bau befindliche, (F) für geplante

Hunderte Schutzgebiete betroffen

Um die Auswirkungen genauer benennen zu können, untersuchten die Forscher in einem Band von 50 Kilometer Breite entlang der einzelnen Korridore, wie dicht besiedelt die Region ist, welche gefährdeten oder geschützten Pflanzen und Tiere dort vorkommen und wie hoch die Speicherkapazität von Kohlenstoff ist.

Die Ergebnisse waren sehr unterschiedlich. "Einige der Korridore scheinen eine gute Idee zu sein, andere eine wirklich schlechte. Etliche davon könnten sich aus ökologischer Sicht als wirklich desaströs erweisen", sagt William Laurance in einer Aussendung.

Die größten nachteiligen Auswirkungen sehen die Forscher beim Bau von Straßen oder Bahnlinien in den Regenwäldern und Savannen in der Nähe des Äquators, etwa in den dicht bewaldeten Gebieten im Kongobecken und in Westafrika.

Insgesamt durchqueren die Korridore demnach 408 Schutzgebiete. Berücksichtige man das 50-Kilometer-Band um die Korridore herum, würden gar mehr als 2.100 Schutzgebiete zumindest teilweise von mindestens einem Korridor beeinträchtigt. Schlechte Bodenqualität oder ungünstiges Klima begrenzten indes die Steigerungsmöglichkeiten der landwirtschaftlichen Erträge in vielen Gegenden erheblich, berichten die Forscher weiter.

Abholzung in Afrika, dokumentiert von Studienautor Laurance

William Laurance

Abholzung in Afrika, dokumentiert von Studienautor Laurance

Es liegt mehr an Mineralabbau als an Landwirtschaft

"Eine der wesentlichen Rechtfertigungen für diese Korridore ist die Erhöhung der landwirtschaftlichen Produktivität und der Lebensmittelproduktion; tatsächlich scheinen massive Investitionen in den Bergbau, die den Zugang zu absatzstarken Mineralen wie Eisenerz und Kohle sichern, der maßgebliche Beweggrund für zahlreiche Korridore zu sein", sagt Laurance.

Aus Sicht der Forscher sollten einige Vorhaben gänzlich gestoppt werden. Eine sorgfältige Auswahl geeigneter Projekte könne dazu beitragen, die Erträge in der Landwirtschaft zu erhöhen und die Umweltfolgen gleichzeitig zu minimieren.

"Afrika steht vor einer Dekade der Entscheidungen. Die Einsätze sind enorm. Sobald ein einzelner Entwicklungskorridor fertiggestellt ist, ist Pandoras Box geöffnet und man kann nicht mehr viel tun, um den Ansturm von Jagd, Habitatzerstörung sowie legaler und illegaler Bergbau-Aktivität zu kontrollieren."

Umwelterfolg in Tansania

Kürzlich feierten Umweltschützer in Ostafrika die Entscheidung des Ostafrikanischen Gerichtshofs, den Bau einer befestigten Straße mitten durch den Serengeti-Nationalpark zu stoppen. Der Straßenbau, von der Regierung Tansanias geplant, war international auf großen Protest gestoßen.

science.ORF.at/dpa

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