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Flugzeug im Flug unter Wolken

Wie klimafreundlich wird die Klimakonferenz?

Am 30. November treffen sich die Vertreter der Staatengemeinschaft zur nächsten UNO-Klimakonferenz in Paris. Berechnungen österreichischer Forscher zeigen: Der ökologische Fußabdruck dieser Veranstaltung wird "beträchtlich".

Öko-Bilanz 25.11.2015

Bei einem Transatlantikflug wird pro Passagier ungefähr eine Tonne CO2 in die Luft geblasen, sagt Günter Getzinger von der Universität Klagenfurt. "Wenn wir davon ausgehen, dass rund 3.000 Teilnehmer per Flugzeug anreisen, dann ergibt das sehr grob gerechnet dreitausend Tonnen CO2."

Diese Bilanz, betont er, sei freilich nicht als moralische Keule zu verstehen: "Spitzenvertreter von Staaten müssen bei einem so wichtigen Treffen physisch anwesend sein, das ist gar keine Frage. Ich erwarte mir, dass es in Paris zu einer Einigung kommt. Und das wird natürlich einen tausendfach größeren Effekt auf das Klima haben als alle Flüge zusammen."

Dienstreisen mit Berufsverkehr vergleichbar

Klimakonferenz Paris

Anlässlich der bevorstehenden Weltklimakonferenz (COP21) vom 30.11. bis 11.12. in Paris berichtet der ORF in Radio, TV und Internet über Klimapolitik und den aktuellen Stand der Klimaforschung.

Gleichwohl: Der internationale Konferenzverkehr ist mittlerweile in Größenordnungen angekommen, die auch in ökologischen Bilanzrechnungen von Bedeutung sind. Getzinger hat etwa herausgefunden, dass die Forscher der Uni Klagenfurt durch Dienstreisen übers Jahr gerechnet 1.200 Tonnen CO2 emittieren - fast ebenso viel wie durch ihren täglichen Berufsverkehr.

Das treffe wohl auch auf andere Universitäten zu, die Zahlen seien allerdings auch von der Größe der Stadt und vom lokalen Verkehrsnetz abhängig. "Untersuchungen an der Boku Wien und an der WU Wien zeigen: Hier ist die Bilanz des Berufsverkehrs deutlich besser. Hauptgrund ist der in Wien bestens ausgebaute öffentliche Verkehr."

Peking-Paris per Bahn

Was kann man tun, um den CO2-Ausstoß im akademischen Alltag möglichst gering zu halten? Der Klagenfurter Forscher empfiehlt Telekonferenzen und den Umstieg auf Fernbus sowie die Bahn. "Flugreisen erzeugen 20 Mal mehr Emissionen als Bahnfahrten. Auf Kurzstrecken sollte eigentlich niemand mehr ins Flugzeug steigen."

Diesem Umstand trägt man auch bei der UNO-Konferenz Rechnung. Die Kampagne "Train to Paris" unterstützt die Anreise von Teilnehmern per Zug. Vorgesehen sind unter anderem Verbindungen aus Lissabon und Edinburgh. Sowie, man höre und staune, auch von Peking aus.

Wie lange braucht man von Peking nach Paris? "Ungefähr zehn Tage", sagt Getzinger. "Die Zahl jener, die diese Variante wählen, wird wohl überschaubar sein. Das ist natürlich auch als Symbol zu verstehen."

Robert Czepel, science.ORF.at

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