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Detailaufnahme eines Weihnachtsbaums

Killt der Klimawandel den Christbaum?

Am 24. Dezember ist es wieder so weit: Weihnachtsbäume werden dann laut Statistik Austria in 70 Prozent aller österreichischen Haushalte stehen. Heute werden Nadelbäume verwendet, aber mit den steigenden Temperaturen geraten diese unter Druck, z.B. die Fichte. Forscher fragen deshalb: Überlebt der Christbaum den Klimawandel?

Trockenheit 04.12.2015

Analyse von Bohrkernen

Die Studie:

"Inter- and intra-specific variation in drought sensitivity in Abies spec. and its relation to wood density and growth traits" erscheint am 15. Dezember 2015 im Journal "Agricultural and Forest Meteorology".

Links:

Ö1 Sendungshinweis:

Über den Trockenstress bei Nadelbäumen berichtete auch das Morgenjournal am 4.12.2015.

Die Nordmanntanne ist des Österreichers liebster Weihnachtsbaum, 49 Prozent greifen zu dieser ursprünglich im Kaukasus heimischen Tannenart. Aber auch die bei uns heimische Weißtanne und die Fichte werden gerne verwendet.

Anhand von Bohrkernen aus dem Stamm hat Michael Grabner von der Universität für Bodenkultur in Wien gemeinsam mit Silvio Schüler vom Bundesforschungszentrum für Wald untersucht, wie die Bäume in drei extrem trockenen Jahren reagiert haben. Die Europäische Lärche, die Douglasie, die Fichte und die Tanne haben die Forscher in ihre Studie aufgenommen und von jeder Art mehrere Sorten analysiert.

Tanne tut sich relativ leicht

Mit pauschalisierenden Aussagen müsse man vorsichtig sein, betonen beide Forscher, aber eines hält der auf Jahresringanalyse spezialisierte Michael Grabner fest: "Ist es in einem Jahr sehr trocken, leiden alle Nadelbäume. Sie wachsen weniger, das Holz ist weniger dicht und sie werden anfälliger für Schädlinge wie beispielsweise den Borkenkäfer."

Aber: Nicht alle Nadelbaumarten reagieren gleich. Und die Tanne gehört zu jenen Arten, die sich mit Trockenheit besonders leicht tun, erklärt Silvio Schüler: "Das Tolle an der Tanne ist: Während der Trockenheit reduziert sie ihr Wachstum, aber im darauf folgenden Jahr startet sie wieder voll durch. Das können alle anderen untersuchten Baumarten nicht so gut."

Fichte muss kämpfen

Bei der Fichte etwa sieht es ganz anders aus, sie hat laut Studie unter der Trockenheit in den Jahren 2000 bis 2003 massiv gelitten und lange gebraucht, um sich zu erholen. Die Lärche liegt im Mittelfeld.

Selbst die Douglasie, die als trockenresistente Art gilt, tue sich im darauf folgenden Jahr schwerer, den Rückstand wieder aufzuholen, so der Holzforscher. Er führt das auf - noch nicht vollständig analysierte - Mechanismen zurück, mit denen die Tanne bei Trockenheit ihren Stoffwechsel verlangsamt, danach aber schnell wieder das ursprüngliche Niveau erreicht.

Keine Palmen als Weihnachtsbäume

Bäume brauchen Wasser:

Dass ein Baum Wasser braucht, liegt an einem grundlegenden Vorgang: der Photosynthese. Dafür braucht ein Baum Wasser, Sonnenlicht und Kohlendioxid aus der Luft. Um CO2 aufnehmen zu können, müssen die Spaltöffnungen der Nadeln geöffnet werden - und dabei verdunstet Wasser. Das größte Problem ist deshalb die sogenannte "temperaturinduzierte Trockenheit": Je heißer die Luft wird, desto mehr Wasser geht bei Öffnung der Spaltöffnungen verloren.

Und auch beim Sortenvergleich innerhalb einer Baumart zeigte sich: Die Tanne kommt gut mit Trockenheit zurecht, egal ob es sich um die griechische, an warmes Klima gewöhnte oder unsere heimische Weißtanne handelt.

Die Wahrscheinlichkeit, dass auch in 50 Jahren Tannen mit Kugeln und Süßigkeiten geschmückt werden und man nicht auf Palmen zurückgreifen muss, ist deshalb "sehr hoch", sagen die Wissenschafter.

Blick ins Erbgut

Die Forscher wollen nun herausfinden, ob es Merkmale im Erbgut der Bäume gibt, die sie für Trockenheit weniger anfällig machen. Eine Kategorisierung nach geografischer Herkunft habe nicht funktioniert, so Silvio Schüler, der sich auf Waldgenetik spezialisiert hat:

"Die Aussage, dass Saatgut aus dem Süden besser geeignet ist als aus dem Norden, bestätigt sich nicht. Es ist eher eine Frage der Höhenlage: Saatgut aus tieferen Lagen, wo es wärmer wird, ist in vielen Fällen besser als jenes aus hohen Lagen. Aber man kann nicht pauschalisieren. Wir sind noch immer auf der Suche nach Antworten, warum das so ist."

Ökonomisch relevant

Welche Nadelbaumarten gut mit Trockenheit und Hitze zurechtkommen, diese Frage ist auch wirtschaftlich relevant. Schließlich lebt ein Großteil der österreichischen Forstwirtschaft vom Verkauf eben dieses Nadelholzes. "In diesem Jahr war es dramatisch, denn es waren nicht nur die 'üblichen' Regionen von der Trockenheit betroffen wie etwa das Burgenland oder das Weinviertel, sondern alle tieferen Lagen", so Schüler. Als Ziel hat er die Züchtung von resistenteren Arten vor Augen.

Elke Ziegler, science.ORF.at

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