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Künstlerische Darstellung der Raumsonde Akatsuki und der Venus

Mit fünf Jahren Verspätung bei der Venus

Fast 50 Raumsonden haben sich bereits zum inneren Nachbarplaneten der Erde, der Venus, aufgemacht - genauso viele wie zum äußeren Nachbarn, dem Mars. Dennoch weiß man vom Roten Planeten viel mehr. Eine japanische Sonde soll ab Montag der Venus nun ihren Schleier entreißen. Eigentlich hätte sie das schon vor fünf Jahren tun sollen.

Raumsonde Akatsuki 07.12.2015

Mission "Morgendämmerung":

Ö1 Sendungshinweis:

Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell am 4.12., 13:55 Uhr

Im Mai 2010 hatte Japan seine Raumsonde Akatsuki – "Morgendämmerung" – auf die Reise zum Morgenstern geschickt. Im Dezember desselben Jahres erreichte sie planmäßig die Venus. Das Bremsmanöver jedoch misslang. Und so konnte der Planet die Sonde nicht in seinen Bann ziehen.

Fünf Jahre lang hat Akatsuki nun die Sonne umkreist – solange, bis die Sterne wieder günstig standen. Das wird am Montag, den 7. Dezember, so weit sein. Dann hofft Japans Weltraumagentur JAXA , dass ihre Sonde endlich von der Schwerkraft der Venus eingefangen wird.

Denn dort gebe es viel zu tun, findet Masato Nakamura, der Projektmanager der Mission beim Institut für Weltraumwissenschaften der JAXA. "Die Wolken rasen mit der gesamten Atmosphäre binnen vier Tagen einmal um die Venus herum", erklärt der japanische Wissenschaftler.

Der Antrieb für diese Superrotation, die schneller ist als die Eigendrehung des Planeten, sei jedoch auch nach Jahrzehnten Venus-Forschung weiterhin unbekannt. "Alle zwei Stunden soll unsere Sonde ein Foto der Wolkenschicht aufnehmen", so Nakamura. "Nach zwei Jahren, am Ende der Missionszeit, wissen wir dann hoffentlich, wie das Drehmoment von einem Ort in der Atmosphäre zum nächsten übertragen wird."

Die Venus gleicht einem Backofen

Kein Punkt am Sternenhimmel ist so hell wie die Venus. Mal tritt sie als Morgenstern auf, je nach Jahreszeit auch als Abendstern. Der Planet rotiert sehr langsam, in 243 Erdentagen einmal um die eigene Achse. Venus ist größer als der Mars, fast so groß wie die Erde. Sie ist jedoch doppelt so nah an der Sonne wie der Mars und damit heißer. Auf der Oberfläche herrschen Temperaturen von fast 500 Grad, die Atmosphäre besteht fast nur aus Kohlendioxid, und der Luftdruck auf der Venus ist 100 Mal so hoch wie auf der Erde.

Unter ihrer undurchsichtigen Wolkendecke herrscht ein Treibhauseffekt, der wahrscheinlich durch von Vulkanen freigesetztes CO2 verursacht wurde. Es hängt wie eine Glocke über der Oberfläche und sorgt gemeinsam mit der nahen Sonne dafür, dass die Venus einem Backofen gleicht.

Hinweise auf aktive Vulkane und andere geologische Aktivitäten hatte zuletzt auch die europäische Sonde VenusExpress gefunden. Auch dieser Spur soll Akatsuki nachgehen. "Wir werden überprüfen, ob es heute noch Vulkanismus auf der Venus gibt und ob es in ihrer Atmosphäre blitzt", sagt Masato Nakamura. Diese Phänomene existierten zwar auf der Erde. Geologen seien sich jedoch nicht sicher, ob es auch auf der Venus Gewitter und Vulkanausbrüche gebe. Und so hoffen die Japaner, dass Akatsuki ab Montag zu einem künstlichen Mond der Venus wird – diesmal wirklich.

Guido Meyer, science.ORF.at

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