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Das Gebäude der MA48 ist begrünt

Mit Technik gegen die Erwärmung

In Paris rangelt die Politik gerade um Emissionswerte und CO2-Zertifikate. Was aber, wenn kein Umdenken stattfindet und es weiter immer wärmer wird? Verschiedene Techniken versuchen, die Folgen des Klimawandels abzufedern - von der Fassadenbegrünung bis zur Manipulation der Sonneneinstrahlung.

UNO-Klimakonferenz 04.12.2015

Dieses Climate oder Geo Engineering setzt meist global an. Manches könnte aber auch lokal geschehen - etwa in Österreich.

Kühlere Sommer, sauberere Luft

Auch hierzulande werden die Sommer immer heißer, vor allem in Städten stöhnen viele unter der Hitze. Ventilatoren und Klimaanlagen surren dann Tag und Nacht - Stromfresser, die schlussendlich den Klimawandel weiter befeuern.

Aber man kann der Hitze auch anders beikommen: Ein Team von der Technischen Universität Wien hat erhoben, dass vollständig begrünte Wiener Innenhöfe im Sommer bis zu fünf Grad kühler sind als nicht begrünte. Derzeit arbeitet die Gruppe gemeinsam mit Kollegen von der BOKU daran, Wände mit Pflanzen zu optimieren, sowohl in Innenräumen als auch an den Fassaden von Häusern. Solche Systeme sollen automatisch funktionieren und möglichst wenig gepflegt werden müssen.

Im Sommer kühlen die Pflanzen die Umgebung und spenden Schatten, die Luft wird sauberer, weil die Pflanzen Schadstoffe und auch CO2 aufnehmen, im Winter dämmen sie gegen die Kälte und verbessern das Raumklima. Der Haken ist derzeit, dass so ein System viel kostet. Dafür wären die Auswirkungen gut einschätzbar, direkt spürbar und leicht zu kontrollieren.

Interaktive Karte: Prognostizierte Temperaturmaxima

Bei der interaktiven Karte handelt es sich um ein Worst-Case-Szenario - das nur eintritt, wenn Treibhausgase in Zukunft ungebremst in die Atmosphäre gelangen: Die durchschnittlichen Temperaturen würden dabei in Österreich bis 2100 um sieben Grad steigen - ebenso die durchschnittlichen Tageshöchsttemperaturen im Sommer, wie in der Karte dargestellt.

Klimakonferenz Paris

Anlässlich der Weltklimakonferenz (COP21) von 30.11. bis 11.12. in Paris berichtet der ORF in Radio, TV und online über Klimapolitik und den aktuellen Stand der Klimaforschung.

Debatte: Gegen Klimawandel: Was kann der Einzelne tun?

Die beschriebenen Projekte

Weniger Sonne, weniger Unwetter

Neben lokalen Überlegungen wie der Fassadenbegrünung setzt Climate Engineering vor allem im weltweiten Maßstab an - schließlich ändert sich das Klima weltweit. Die meisten Menschen schrecken die Vorschläge ab, die da gemacht werden.

Und in der Tat klingen einige von ihnen zunächst einmal eher größenwahnsinnig: Reflektierende Schwefelsäurepartikel in der Stratosphäre zu versprühen oder auch Spiegel im Weltall zu platzieren, um Sonnenstrahlen zu reflektieren. Bei der Grundidee dieses sogenannten Solar Geoengineering geht es darum, die Sonneneinstrahlung zu manipulieren, damit sie unseren Planeten nicht so aufheizen kann.

Aber Solar Geoengineering wäre mehr als ein Sonnenschirm, erklärt der Physiker und Klimaforscher David Keith von der Universität Harvard. Studien der letzten 20 Jahre würden zeigen, dass "mäßiges Solar Geoengineering" dabei helfen könnte, die für uns wichtigen Folgen des Klimawandels zu mildern.

"Mäßig heißt dabei, den Temperaturanstieg nur zu verlangsamen", sagt Keith. "Und das alleine hätte schon Auswirkungen auf die Niederschlagsmuster, Unwetter, die Eisschmelze an den Polarkappen und natürlich die Temperaturen. Es geht darum, solche Umweltrisiken zu verringern."

Risiken und Nutzen abwägen

Aber das Solar Engineering hat seine eigenen Risiken: Manche befürchten, dass es dann mehr diffus gestreutes Licht gäbe – was manche Pflanzen besser wachsen lässt, und so große Ökosysteme aus dem Gleichgewicht bringen könnte.

David Keith streitet diese Risiken nicht ab. Aber dem stehen nicht keine Risiken gegenüber, sondern die des Klimawandels, betont er. Man müsse abwägen, was mehr Nutzen bringt und welche Risiken sich kontrollieren lassen: "Wir helfen der kommenden Generation am meisten, wenn wir ernsthaft erforschen, was man sich von solchen Technologien erwarten kann. Auch welche Risiken und wie man mit ihnen umgehen könnte."

Bäume, Algendünger, und künstliche Blätter

Besser wäre es natürlich, gleich die Ursachen zu bekämpfen. Ganz banal würde großflächige Aufforstung helfen, den Klimawandel abzufangen, denn Pflanzen brauchen Kohlendioxid (CO2), eines der häufigsten Treibhausgase, und nehmen es aus der Luft auf. Aber Wälder brauchten Platz, der Landwirtschaft und Städten kaum abzuringen sein wird.

Und auch erste Experimente damit, Algen im Ozean zu düngen, wo es zumindest Platz gibt, waren wenig vielversprechend. Sie sollten dort CO2 binden und nach ihrem Absterben mit zum Meeresgrund nehmen, aber das CO2 scheint sich schon in den oberen Meeresschichten wieder zu lösen.

Darum arbeiten einige Forschungsgruppen an "künstlichen Blättern", die effizienter sind als die natürliche Variante. Dabei hält man sich nicht unbedingt streng an das Vorbild aus der Natur. Die Prototypen für solche künstlichen Blätter "spezialisieren sich" eher: Einerseits könnte man saubere Energie durch künstliche Photosynthese liefern, andererseits könnten sie besonders effizient CO2 aufnehmen.

Abscheidung von CO2

CO2 aus der Luft holen zu wollen hat aber einen Nachteil, erklärt Tobias Pröll vom Institut für Verfahrens- und Energietechnik an der Universität für Bodenkultur (BOKU) in Wien: In der Atmosphäre herrscht nur eine relativ geringe CO2-Konzentration. Wesentlich leichter ist es, CO2 aus konzentrierten Quellen, beispielsweise aus Abgasströmen oder aus bestimmten Prozessen in der chemischen Industrie herauszuholen. Es sei heute kein Problem mehr, CO2 effizient abzuscheiden. "CO2 reagiert sauer, das heißt, Sie können das mit basischen Lösungsmitteln beispielsweise herauswaschen", erklärt Pröll.

Es gibt verschiedene Technologien, vor oder nach Verbrennung oder spezifisch auf verschiedene Prozesse ausgerichtet CO2 abzuscheiden. Gemeinsam ist ihnen, dass sie relativ teuer sind und die Industrie keinen Anreiz hat, solche Technologien einzusetzen. Denn auch das gewonnene CO2 hat kaum einen Nutzen und muss endgelagert werden. Und zwar in Massen, wenn man einen Unterschied machen will. Derzeit überlegt man, es in tiefere Gesteinsschichten zu verbringen. Pilotprojekte von Norwegen pumpen es zum Beispiel tief unter die Nordsee.

Gaslager unter der Erde

Kritiker befürchten, das Gas könnte aber wieder austreten und etwa das Grundwasser verseuchen oder kleine Erdbeben auslösen. Pröll beruhigt und meint, die Lagerung sei durchaus machbar - mit entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen und Kontrollen -, denn auch Erdgas gebe es ja in unterirdischen Lagerstätten.

Der Energietechniker betont auch, dass alleine durch CO2-Abscheidung und -speicherung (auch: CCS) das Problem nicht gelöst würde. Man werde keines der Klimaziele erreichen, wenn nicht zuallererst die Emissionen massiv zurückgefahren würden. CCS könnte aber helfen, die Zeit bis zu einer Umstellung auf erneuerbare Energien zu überbrücken und danach das Klima zu entlasten:

Anstatt Biomasse - also pflanzliche Überreste - verrotten zu lassen, könnte man sie verbrennen, daraus Wärme und Energie gewinnen und mit effizienter CCS-Technologie das darin gespeicherte CO2 aus dem Kohlenstoffkreislauf entfernen.

Isabella Ferenci, Ö1 Wissenschaft

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