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Rauchende Schlote einer Fabrik

Weltweiter CO2-Ausstoß könnte heuer sinken

Der Höhepunkt des weltweiten Ausstoßes von Kohlendioxid könnte erreicht sein. Schon im Vorjahr war er nur leicht angestiegen, heuer rechnen Experten sogar mit einem leichten Rückgang. Und das trotz wachsender Weltwirtschaft. Für das Klima ist das aber nur bedingt eine gute Nachricht.

UNO-Klimakonferenz 07.12.2015

Denn trotz der prognostizierten Trendwende werden auch heuer rund 36 Milliarden Tonnen CO2 durch das Verbrennen fossiler Brennstoffe in die Atmosphäre geblasen. Sie verstärken damit die Klimaerwärmung. "Die Menge war in den vergangenen 800.000 Jahren niemals größer", sagt die Klimaforscherin Corinne Le Quere von der britischen Universität von East Anglia. "Um das Klima zu stabilisieren, müssten die Emissionen nahe null sein."

Le Quere hat an einer der beiden Studien mitgearbeitet, die am Montag während der UNO-Klimakonferenz in zwei Fachzeitschriften erschienen sind. Unter den Mitgliedern der Forschungsteams ist auch Nebojsa Nakicenovic vom Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien.

Die Studien

"Reaching peak emissions" von Robert B. Jackson und Kollegen ist am 7. Dezember 2015 in "Nature Climate Change" erschienen, "Global Carbon Budget 2015" von Corinne Le Quere und Kollegen in "Earth System Science Data" (sobald online).

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Wahrscheinlich 0,6 Prozent weniger

Eine Entwicklung gibt aber Anlass zu Hoffnung: Während Emissionen früher bei Wirtschaftskrisen zurückgegangen sind, sind sie das nun erstmals bei starkem Wirtschaftswachstum.

Schon 2014 waren die CO2-Emissionen aus fossilen Brennstoffen und Industrie weltweit nur leicht gestiegen (plus 0,6 Prozent) - deutlich weniger im Vergleich zum starken Anstieg in den zehn Jahren davor, in denen der CO2-Ausstoß durchschnittlich 2,4 Prozent pro Jahr zulegte.

Die Wissenschaftler stützen sich für ihre Prognose auf Daten zum Energieverbrauch in China und den USA sowie auf das erwartete Wirtschaftswachstum im Rest der Welt. Die Unsicherheit ist recht groß, die Spanne reicht von einem deutlichen Rückgang der Emissionen bis zu einem kleinen Anstieg - am wahrscheinlichsten sei 2015 aber ein Rückgang um 0,6 Prozent.

Stärkster Rückgang in der EU

27 Prozent des weltweiten Ausstoßes gingen im Jahr zuvor auf das Konto Chinas, 15 Prozent stammten aus den USA, zehn Prozent aus der Europäischen Union und sieben aus Indien.

Die EU ist jene Weltregion, in der die Emissionen am stärksten abnehmen, im Schnitt um rund 2,4 Prozent pro Jahr. Dabei darf man allerdings nicht vergessen, dass die Produkte, die in Europa konsumiert werden, oft in China und anderen Ländern hergestellt werden. Dieser "Emissionsexport" hat sich laut den neuen Studien in den vergangenen Jahren aber ebenfalls verlangsamt.

Schlüsselrolle Chinas

Eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung des CO2-Ausstoßes spielt China. Die vorhergesagte Abnahme ist größtenteils auf die zurückgegangene Kohlenutzung des Schwellenlandes zurückzuführen, erklärte Le Quere.

Stiegen die CO2-Emissionen Chinas ein Jahrzehnt lang jährlich um fast sieben Prozent, so waren es im Vorjahr nur noch 1,2 Prozent - aller Voraussicht nach werden sie heuer sogar sinken. Und zwar um rund vier Prozent, wie die Forscher prognostizieren.

Die Wirtschaft des Landes ist weiter energiehungrig, setzt aber zunehmend auf erneuerbare Energien: Alleine im Vorjahr wurden Windkraftwerke mit einer Kapazität von 23 Gigawatt errichtet. Fast zwei Drittel der Zunahme von Chinas Primärenergiekonsum stammten 2014 nicht aus Kohle- oder Ölverbrennung.

science.ORF.at/dpa

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