Standort: science.ORF.at / Meldung: "Männer bauen Möbel schneller zusammen"

Ein Schraubenzieher liegt auf einer Montageanleitung von Ikea

Männer bauen Möbel schneller zusammen

Möbel selbst zu montieren kann zur Tortur werden. Männer bringen sie generell schneller hinter sich als Frauen, wie ein norwegisches Forscherteam herausgefunden hat. Bei Frauen wiederum ist der Fortschritt, der sich durch das Lesen der Anleitungen ergibt, größer.

Psychologie 07.12.2015

"Männer schauen nie auf die Anleitung und haben die meisten Probleme beim Aufbauen, weil sie immer denken, dass sie das können. Das ist empirisch belegt", hatte 2008 die damalige Chefin von Ikea-Deutschland, Petra Hesser, in einem dpa-Interview gesagt. Frauen hingegen studierten die Gebrauchsanweisungen und gingen generell systematischer vor.

Ein Team um die Psychologin Susanne Wiking von der Arktischen Universität Norwegen in Tromsoe las Hessers Aussagen. In einer aktuellen Studie überprüften sie deren Wahrheitsgehalt jetzt empirisch.

Die Studie

"Sex Differences in Furniture Assembly Performance: An Experimental Study" von Susanne Wiking und Kollegen ist in der Fachzeitschrift "Applied Cognitive Psychology" erschienen.

Frauen profitieren stärker von Anleitungen

Die Forscher und Forscherinnen luden je 40 Männer und Frauen zum Basteln ins Labor: Sie sollten einen Servierwagen des schwedischen Möbelherstellers zusammenbauen. Die eine Hälfte erhielt lediglich ein Bild des fertigen Möbelstücks, die andere eine Montageanleitung. Resultat: Die Männer waren in beiden Fällen schneller. Sie brauchten mit Anleitung knapp 23 und ohne knapp 25 Minuten. Frauen benötigten mit Instruktionen rund 23,5 Minuten, ohne rund 29.

Frauen profitierten von den Anleitungen also deutlich stärker als die Männer. Vergleicht man die reine Aufbauzeit, so sind Frauen nach dem Lesen der Anweisungen fast gleich schnell wie die Männer ohne.

Woher aber stammen die Unterschiede? Nicht von unterschiedlichen Erfahrungen, sagt das Forscherteam, denn die waren bei allen Probanden ungefähr gleich. Sehr wohl einen Unterschied dürfte es aber bei der Fähigkeit zu mentaler Rotation geben. Schon frühere Studien zeigten, dass diese Fähigkeit, Gegenstände im Geiste umdrehen zu können, bei Männern stärker ausgeprägt ist.

Lesen zahlt sich aus

Das letzte Wort ist mit der aktuellen Arbeit aber nicht gesprochen: Zum einen, weil sie aus einer relativ kleinen Anzahl an Teilnehmern und Teilnehmerinnen bestand.

Zum anderen, weil es auch noch versteckte Faktoren geben kann, die gar nicht untersucht wurden: etwa dass Männer einen stärkeren Hang zu Wettbewerben haben und dementsprechend motivierter gewesen sein könnten. Auch das Phänomen, dass Leistungen davon abhängen, mit welchen Vorurteilen Probanden konfrontiert werden, könnte eine Rolle gespielt und zu schlechteren Leistungen der Frauen geführt haben.

Wie auch immer, eines steht laut Studie für beide Geschlechter fest: Das Lesen von Montageanleitungen zahlt sich aus.

Lukas Wieselberg, science.ORF.at

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