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Raumsonde Gemini 7 - gesehen von Bord der Sonde Gemini 6

Das erste Rendezvous im All

Dieses Manöver legte den Grundstein für alle weiteren Missionen der NASA: Genau vor 50 Jahren gelang der amerikanischen Weltraumbehörde das erste Zusammentreffen zweier bemannter Raumschiffe.

Jubiläum 15.12.2015

Die Nachricht schaffte auf die Titelseite der "New York Times": "Zwei 'Geminis' fliegen beim ersten Weltraum-Rendezvous zwei bis drei Meter voneinander entfernt", hieß es da fettgedruckt in Großbuchstaben. "Die Crews sehen einander und unterhalten sich per Funk." Für andere Artikel blieb auf der Titelseite des 15. Dezember 1965 nicht mehr viel Platz.

Anfängliche Pannen

Astronauten Frank Borman und  James Lovell in Weltraumadjustierung

ASSOCIATED PRESS

Frank Borman (links) und James Lovell im Gemini-Simulator, wenige Tage vor ihrem legendären Flug.

Jahrelang war ein solches Manöver von der US-Raumfahrtbehörde NASA geplant worden. Russische Raumschiffe hatten sich Anfang der 60er Jahre bereits zweimal im All auf nur wenige Kilometer angenähert, allerdings nicht gesteuert, sondern schon vor dem Start berechnet.

Zahlreiche Pannen und Schwierigkeiten aber hatten die Starts der amerikanischen Raumschiffe "Gemini 6" und "Gemini 7" - ihre Namen bedeuten übersetzt das Sternzeichen Zwilling - verzögert.

So kam schließlich auch die Reihenfolge durcheinander. Zuerst startete am 4. Dezember 1965 die "Gemini 7" vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral aus ins All. An Bord waren Kommandant Frank Borman und Pilot Jim Lovell, der später als Kommandant der legendär gewordenen "Apollo 13"-Mission auf dem Weg zum Mond den Funkspruch "Houston, wir haben ein Problem" abgab.

Elf Tage nach der "Gemini 7" startete die "Gemini 6" ebenfalls von Cape Canaveral aus mit Pilot Tom Stafford und Kommandant Walter Schirra, der als einziger der vier "Rendezvous"-Teilnehmer bereits gestorben ist.

"Wir konnten sie sehen …"

Was folgte, bezeichnete die "New York Times" als "spektakuläre Performance der Weltraumnavigation": 5 Stunden und 19 Minuten lang umkreisten sich die beiden rund 3.800 Kilogramm schweren Raumschiffe in mehreren Umlaufbahnen und näherten sich an. "Gemini 7" war da bereits rund zehn Tage im All gewesen, "Gemini 6" kam extra für das Rendezvous und blieb nur knapp 24 Stunden.

"Wir haben sie kommen sehen", erinnerte sich Astronaut Lovell von der "Gemini 7" später in einem Interview. "Sie kamen nachts. Wir hatten ein blinkendes Licht an und wir konnten sehen, wie ihre Triebwerke anfeuerten. Und dann hatten wir unser Rendezvous ..."

Brücke zur Zukunft

Wenige Tage später sind alle vier Astronauten wieder sicher auf der Erde. Borman und Lovell waren 14 Tage im All gewesen - so lange wie vor ihnen noch kein anderer Mensch und es ging ihnen "besser als erwartet". Die Missionen der Astronauten bewiesen, dass Annäherungen zweier Raumschiffe im All möglich sind - und legten damit einen wichtigen Grundstein für das später vollzogene Andocken. Außerdem brachten die Missionen auch viele Erkenntnisse über Landemanöver und einen längeren Aufenthalt von Astronauten im All.

Ohne all dieses Wissen hätte es das erfolgreiche "Apollo"-Mondprogramm und alle weiteren Nasa-Missionen wohl nicht geben können, sagt Bob Granath vom Kennedy Space Center in Florida. "Wenn man ein halbes Jahrhundert zurückschaut, hat sich "Gemini" als Brücke zur Zukunft erwiesen."

science.ORF.at/dpa

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