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US-Außenminister John Kerry bei der UNO-Klimakonferenz in Paris

Die Klimakonferenz im Umweltcheck

Großveranstaltungen schmücken sich gerne mit dem Label "Green Event". Umweltfreundlich geben sich auch die Veranstalter der derzeitigen UNO-Klimakonferenz in Paris. Zu Recht? Ist denn die Veranstaltung tatsächlich "grün"?

Report aus Paris 09.12.2015

Auf dem 18 Hektar großen Veranstaltungsgelände im Norden von Paris tummeln sich derzeit Tausende Menschen. Viele von ihnen reisten mit dem Flugzeug an, und bei der Konferenz wird natürlich auch viel Müll entstehen.

Für die ORF-Radios verfolgt Manuel Marold in Le Bourget bei Paris die Verhandlungen. Science.ORF.at hat ihn nach der Ökobilanz gefragt.

Klimakonferenz COP21

Beim Klimagipfel in Le Bourget bei Paris arbeiten Vertreter und Vertreterinnen von fast 200 Staaten und der EU derzeit an einem neuen Klimaabkommen, das bis Freitag stehen soll. Das Ziel: Der neue Klimavertrag soll das Kyoto-Protokoll, das 2020 ausläuft, ablösen - die Erderwärmung soll bis zum Ende des Jahrhunderts auf weniger als zwei Grad Celsius begrenzt werden. Ambitionierte Ziele also. Und der Weg dorthin ist schwierig, wie die bisherigen Verhandlungen bereits zeigten.

Was tun die Organisatoren, um die Umweltbelastung durch die Konferenz gering zu halten?

"Große Ambitionen zeigen die Organisatoren beim Thema Mülltrennung. Da gibt es alle paar Meter farbige Container, die mit Symbolen zeigen, was wo hingehört. Die gesammelten Abfälle werden dann außerhalb des Geländes in einem großen Zelt durch ein optisch-mechanisches System noch einmal getrennt.

Mülltrennungscontainer in Paris

Manuel Marold

Im Kleinen funktioniert der Umweltschutz - im Großen ist die Weltpolitik gefordert

ORF-Schwerpunkt

Anlässlich der Weltklimakonferenz (COP21) von 30. November bis 11. Dezember in Paris berichtet der ORF in Radio, TV und online über Klimapolitik und den aktuellen Stand der Klimaforschung.

Interaktive Klimakarten

Zudem gibt es aus umweltschonendem Kunststoff hergestellte Mehrwegbecher und -flaschen, für die man einen Euro Pfand bezahlt. Sie werden daher brav zurückgebracht. Außerdem positiv: Mit dem Auto reisen hier nur wenige TeilnehmerInnen an, weil das im Pariser Verkehrschaos ohnehin wenig Sinn hat. Stattdessen nimmt man Zug oder U-Bahn. Es verkehren ständig Shuttlebusse zwischen Konferenzgelände und 'Öffi'-Haltestellen. Darüber hinaus hat die Renault-Nissan-Allianz den Organisatoren 200 Elektroautos zur Verfügung gestellt, die ebenfalls als Shuttlefahrzeuge genutzt werden."

Eine Veranstaltung dieser Größenordnung kann nicht ganz ohne Auswirkungen auf die Umwelt bleiben. Wie viel von den Klimaschutzmaßnahmen bei der Konferenz ist reine Kosmetik?

"So wie es sich darstellt, meinen es die Organisatoren ernst mit dem Klimaschutz. Die Kosmetik oder der politische Aktionismus ist eher aufseiten der Teilnehmer zu finden – z. B. die deutsche Umweltministerin Barbara Hendricks, die mit ihrer Delegation besonders medienwirksam in einem Sonderzug angereist ist. Oder Ex-Gouverneur Arnold Schwarzenegger, der seine Umweltpolitik in Kalifornien als Musterbeispiel für die gesamte Welt angepriesen hat.

Natürlich belastet eine solche Massenveranstaltung die Umwelt. Man muss sich vorstellen, hier auf dem Gelände tummeln sich zu Spitzenzeiten mehr als 40.000 Menschen. Viele von ihnen sind mit dem Flugzeug angereist – da kommt schon einiges an CO2-Ausstoß zusammen.

Andererseits: Eine so wichtige Konferenz erfordert eben auch die Anwesenheit der TeilnehmerInnen aus aller Welt. Und gelingt die Einigung auf ein neues Klimaabkommen, dann werden die positiven Effekte eines solchen Abkommens die Umweltbelastung durch die Konferenz bei Weitem aufwiegen."

science.ORF.at/Ö1-Wissenschaft

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