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Weniger Klimaflüchtlinge als angenommen

Langfristige Veränderungen der Umweltbedingungen machen weniger Menschen zu Klimaflüchtlingen als bisher angenommen. Rund 3.700 Befragte aus fünf Entwicklungsländern gaben großteils an, sich an die veränderte Umwelt in ihrer Heimat anzupassen. Nur bei Katastrophen fliehen die Menschen.

Gesellschaft 11.12.2015

Zusammen mit lokalen Partnern befragten die Wissenschaftler aus der Schweiz, Großbritannien, Deutschland und Österreich Personen in verschiedenen Regionen in Uganda, Kambodscha, Vietnam, Nicaragua und Peru, die von langfristigen Umweltveränderungen durch den Klimawandel oder von Umweltkatastrophen betroffen waren und sind. Leute, die in solchen Gegenden den Umbrüchen trotzen, finde man natürlich recht einfach an Ort und Stelle, schwieriger gestaltete sich aber die Suche nach jenen, die diese Orte verlassen haben, erklärte die Politikwissenschaftlerin Gabriele Spilker von der Universität Salzburg im Gespräch mit der APA.

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Klimakonferenz Paris

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Debatte: Gegen Klimawandel: Was kann der Einzelne tun?

Bei ihrer Studie konzentrierten sich die Forscher auf die Migration innerhalb der jeweiligen Länder, da die Binnenmigration die bei weitem häufigste Form der Flucht darstellt - auch wenn derzeit Ländergrenzen überschreitende Flüchtlinge in Europa die Diskussionen dominieren. Die wichtigste Erkenntnis sei, dass Menschen keineswegs leichtfertig ihre Heimat verlassen. Denn auch wenn ihnen dort etwa die Versalzung oder das langsame Austrocknen der Böden zu schaffen macht, versuchen sie, sich anzupassen, so lange es geht.

In vielen politischen Diskussionen würde Klimawandel aber sehr stark mit Migration und in der Folge entstehenden Konflikten in Verbindung gebracht. Das stimme zwar, das Bild sei allerdings differenzierter, erklärte Spilker: "Wir sehen eben nicht, dass Klimawandel unter allem Umständen zu Migration führt." Dass sei nur teilweise überraschend, denn die sozialen und finanziellen "Kosten" des Verlassens der Heimat in eine ebenso ungewisse Zukunft sind sehr hoch. "Die Leute migrieren ja nicht gerne, das wird auch in der aktuellen Diskussion zur Flüchtlingskrise unterschätzt. Was wir aber vermeiden wollen, ist, dass unsere Resultate als Argument gegen die Bekämpfung des Klimawandels hergenommen werden - weil die Leute ja nicht fliehen", sagte Spilker.

Flucht vor Katastrophen

Menschen, die diesen schweren Gang allerdings in Angriff genommen haben, taten das in vielen Fällen aufgrund von Extremereignissen wie Hurrikans oder Fluten. Die wenigen, die vor langfristigen Veränderungen flüchteten, berichteten jedoch über mehr soziale Ausgrenzung, Konflikte oder Probleme dabei, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Sie tragen ein "höheres Konfliktpotenzial", wie es die Wissenschaftler ausdrücken.

Die Gründe dafür lägen zwar noch in Dunkeln, möglich sei aber, dass diese Klimaflüchtlinge nach einer langen Zeit, in der sie versucht haben, dem Boden in der Heimat noch etwas abzuringen, schon verbitterter und aggressionsbereiter in die Migration gehen. Auf der anderen Seite könnte eine Flucht aufgrund einer langfristigen Entwicklung in der Aufnahmeregion auf weniger Akzeptanz stoßen, als Migration aufgrund eines spektakulären Katastrophenereignisses.

Die Bekämpfung des Klimawandels einerseits und die Unterstützung bei der Anpassung an bereits laufende Veränderungen müsse kombiniert werden, so Spilkers Fazit aus der Untersuchung. Für Entwicklungshilfeorganisationen hieße das etwa, noch mehr darauf zu fokussieren, Leute an ihrem Wohnort etwa durch trockenheitsresistenteres Saatgut oder mit Bewässerungsanlagen zu unterstützen.

science.ORF.at/APA

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