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Blumen auf einer Almwiese, im Hintergrund Berge.

Artenvielfalt: "Verantwortung der Unternehmen"

Das Thema "Artenschutz" soll stärker in das Bewusstsein von Unternehmen rücken – das ist das Ziel der Energie- und Umweltagentur Niederösterreich. Eine Maßnahme: ungenutzte Flächen vielfältig bepflanzen. Die größte Herausforderung liegt aber darin, für Artenschutz entlang von internationalen Lieferketten zu sorgen.

Biodiversität 24.02.2016

Vogelbeerbäume und eine Blumenwiese am Firmengelände oder ein kunterbunt bepflanztes Dach für Bienen und Insekten - das sind zwei Beispiele, wie Unternehmen Lebensräume für unterschiedliche Pflanzen- und Tierarten schaffen können.

"Unternehmen können sich beraten lassen, wie sie ihre Betriebsflächen naturnah und mit regionalen Pflanzen gestalten können. Wir tauschen beispielsweise reine Zierpflanzen wie die Forsythie gegen heimische Vogelbeerbäume aus - das ist wiederum eine wertvolle Futterpflanze für Vögel", erklärt Jasmine Bachmann von der Energie- und Umweltagentur Niederösterreich gegenüber science.ORF.at.

Abgesehen von der aktiven Umgestaltung können Unternehmen Patenschaften für gefährdete Tierarten wie den Steinkauz, den Ziesel oder die Wildkatze übernehmen. Auch werden Firmenausflüge in Naturschutzgebiete angeboten, wo Mitarbeiter gemeinsam einen halben Tag lang Wiesen pflegen. "Diese Pflegeeinsätze erfolgen unter Anleitung der Naturpark-Verantwortlichen. Unserer Erfahrung nach erleichtert das den Einstieg ins Thema Biodiversitätsschutz", so Bachmann.

Viele Pflanzen - stabile Ökosysteme

Biodiversität ist ein wesentlicher Faktor, wenn es darum geht, wie robust und produktiv Ökosysteme sind – zu diesem Ergebnis kamen zwei Studien im vergangenen Jahr. Dabei zeigte sich, dass Wiesen mit vielen verschiedenen Blumen und Gräsern gesünder und weniger anfällig gegenüber Parasiten sind. Auch Dürre, lange Regenperioden und andere Wetterextreme können auf artenreichen Bodenflächen weniger Schaden anrichten.

"Mit dem Verlust von Arten ist das Risiko verbunden, dass die Natur notwendige Ökosystemleistungen – wie sauberes Wasser, fruchtbare Böden – nicht mehr erbringen kann", so Bachmann. "Unternehmen, Konzerne etc. nehmen darauf großen Einfluss und tragen dadurch eine große Verantwortung."

Artenschutz entlang der Lieferkette

Ziel des Projekts ist es schließlich, den Schutz von Tier- und Pflanzenarten zunehmend in unternehmerische Prozesse miteinzubeziehen – auch international, wie Bachmann erklärt. So sollen heimische Firmen auch bei Waren, die sie vom Ausland importieren, auf einen schonenden Umgang mit Tier- und Pflanzenarten vor Ort achten.

"Biodiversität spielt in sehr vielen Bereichen eine Rolle. Beispielsweise bei der Herstellung von Autoreifen, wo für den Anbau von Naturkautschuk Regenwälder in Asien gerodet werden. Bei Hotels stellt sich die Frage, unter welchen Bedingungen die Baumwolle für Handtücher oder Bettwäsche angebaut wird."

"Umstellung benötigt Zeit"

Das von der EU geförderte Projekt startete vor eineinhalb Jahren – seither sind rund 100 Firmen aktiv geworden. Das betrifft vor allem Pflegeeinsätze oder das Bepflanzen des eigenen Firmengeländes. Beim Artenschutz entlang internationaler Lieferketten halten sich heimische Firmen aber noch eher zurück, so Bachmanns Zwischenresümee.

"Die Umstellung benötigt Zeit", betont Bachmann. "Die Wirtschaft ist herausgefordert, denn neben dem "Energie spar"- bzw. "erneuerbare Energie"-Thema kommt nun auch das Thema Biodiversität auf sie zu."

Ruth Hutsteiner, science.ORF.at

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