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Zecke auf einem Blatt

Angriffspunkte gegen Borreliose

Ein internationales Forscherteam hat das Erbgut der Hirschzecke entschlüsselt. Neben Erkenntnissen über die Biologie der Blutsauger liefert die Studie auch Hinweise auf Angriffspunkte, um Zeckenkrankheiten wie Borreliose zu verhindern.

Erbgutanalyse 10.02.2016

Die Forscher hatten sich das Genom der Hirschzecke (Ixodes scapularis), auch Schwarzbeiniger Holzbock genannt, vorgenommen. Sie identifizierten einige der Proteine, die an der Interaktion zwischen der Hirschzecke und dem Borreliose-Bakterium sowie anderen Krankheitserregern beteiligt sind. Diese Proteine könnten Angriffspunkte für künftige Maßnahmen sein, um Zecken die Fähigkeit zur Übertragung von Krankheiten zu nehmen.

Die Studie in "Nature Communications":

"Genomic insights into the Ixodes scapularis tick vector of Lyme disease" von Monika Gulia-Nuss et al., erschienen am 10. Februar 2016.

Die Infektion erfolgt, indem die Zecke beim Biss mit ihrem Speichel Krankheitserreger in die offene Wunde überträgt. In Europa ist hauptsächlich der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) für die Infektion mit Borreliose verantwortlich, Ixodes scapularis ist der Hauptüberträger in den USA. Die Grundprinzipien der Übertragung dürften aber ähnlich sein.

Die Forscher identifizierten außerdem Gene, die an der Verdauung von Blut und der Elastizität des Hinterleibs beteiligt sind, der sich bei der Blutmahlzeit prall füllt.

Ähnlich wie Säugetiere

Die Entschlüsselung des Zecken-Erbgut kostete die Wissenschaftler etwa zehn Jahre, da sich das Genom als sehr komplex herausstellte. Es enthält viele Wiederholungen, die das Lesen und Interpretieren der Sequenz erschwerten. Und noch etwas anderes Ungewöhnliches fiel den Forscher auf: "Die Genarchitektur der Zecke ähnelt mehr derjenigen von Säugetieren als der anderer Spinnentiere", erklärte Robert Waterhouse vom Swiss Insitute of Bioinformatics (SIB) und der Universität Genf in einer Mitteilung.

Grund hierfür sei, dass diese Architektur bei Zecken und Säugetieren noch mehr der des letzten gemeinsamen Vorfahren aller Tiere entspräche als bei anderen Insekten. Das komplexe Erbgut der Zecke eröffne daher auch neue Einblicke, wie Genome und Gene sich im Laufe der Evolution verändert haben.

science.ORF.at/APA/sda

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