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ein Guppy

Großes Gehirn belastet Immunsystem

Ein großes Gehirn macht nicht unbedingt schlauer, dafür möglicherweise leichter krank. Dafür spricht eine neue Studie zu Zierfischen. Das Immunsystem von Fischen mit kleinem Gehirn arbeitet ihr zufolge besser als jenes von "großhirnigen".

Biologie 09.03.2016

Der Grund: kleine Gehirne verbrauchen weniger Energie, und die kommt dem Immunsystem zugute, berichtet ein Team um den Biologen Alexander Kotrschal.

Fremde Schuppen eingepflanzt

Die Studie

"Selection for brain size impairs innate, but not adaptive immune responses" von Alexander Kotrschal und Kollegen ist am 9. März 2016 im Fachmagazin "Proceedings of the Royal Society B" erschienen.

Die Biologen haben die Effizienz des Immunsystems bei Guppys mit großen und kleinen Hirnen verglichen. Dazu transplantierten sie diesen beliebten Aquariumsfischen gegenseitig Schuppen mit der dazugehörigen Schleimschicht sowie Pigmentzellen und beobachteten danach die Abstoßungsreaktionen.

Bei Guppys mit kleinem Hirn war die Abstoßungsreaktion des angeborenen Immunsystems, das bereits beim ersten Aufeinandertreffen mit Eindringlingen und Fremdkörpern reagiert, stärker als bei großhirnigen Fischen.

Transplantierte Fischschuppen

Alexander Kotrschal/Vetmeduni Vienna

Transplantierte Fischschuppen

"Das Gewebe um die transplantierten Schuppen ist erst ein wenig angeschwollen, dann ist die Schleimschicht trüb geworden, und schließlich sind die Pigmentzellen der transplantierten Schuppe vom Immunsystem des Empfängers verdaut worden und verschwunden", erklärte Kotrschal, der an der Universität Stockholm und an der Veterinärmedizinischen Universität Wien arbeitet.

Nur das angeborene Immunsystem ist betroffen

Nach etwas mehr als einer Woche sei alles Fremdmaterial bis auf die eigentliche Schuppe "verdaut" und mit Eigenmaterial überwachsen. "Die fremde Schuppe bleibt dann permanent ein Teil des Empfängers", sagte er.

Drei Wochen nach der ersten Transplantation führten die Forscher eine weitere durch, um zu sehen, wie das spezifische (erworbene) Immunsystem, das sich das Aussehen von Fremdkörpern merken kann und sie beim nächsten Aufeinandertreffen rasch und effektiv bekämpft, reagiert. Dabei zeigten die Fische mit kleinen und großen Gehirnen keine Unterschiede.

Diese Resultate sprechen dafür, dass eine Investition in die Entwicklung eines größeren Hirns zulasten des angeborenen, aber nicht des erworbenen Immunsystems geht, so die Forscher. "Schlaue Fische zahlen also offensichtlich für ihre Klugheit mit einem minderwertigeren Immunsystem", erklärten sie.

science.ORF.at/APA

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