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Kind schläft im Bett

"Bildschirmwelt" als Schlafkiller

25 Prozent aller Menschen in den westlichen Industriestaaten haben Schlafstörungen. Die moderne Welt mit TV, Computern, Tablets und Smartphones ist dabei besonders schädlich, sagten Experten anlässlich des Weltschlaftags Mitte März. Das Motto: "Guter Schlaf ist ein erreichbarer Traum".

Gesundheit 17.03.2016

Die Konsequenzen eines gestörten Schlafs - das reicht von der potenziell sogar lebensgefährlichen Schlafapnoe über Ein- und Durchschlafprobleme, veränderte Schlafphasen bis hin zum krankhaft gesteigerten Schlafbedürfnis (z. B. Narkolepsie) - können dramatisch sein.

Gerda Saletu-Zyhlarz, Chefin des Schlaflabors im Wiener AKH, sagte dazu: "Menschen mit Schlafstörungen gehen zweimal häufiger zum Arzt, werden zweimal häufiger ins Krankenhaus aufgenommen und haben siebenmal häufiger Arbeits- oder Verkehrsunfälle."

In Europa sind rund 45 Millionen Menschen von solchen Problemen betroffen. Schlafzeiten von täglich weniger als sieben Stunden schwächen messbar das Immunsystem. Die Krebsrate steigt, bösartige Tumoren metastasieren schneller.

Elektronische Schlafräuber

Eindeutig bewiesen ist, dass bei Kindern und Heranwachsenden TV (speziell im Kinderzimmer), Computerbildschirme, Tablets und Smartphones echte Schlafkiller sind. "In den USA verbringen Acht- bis Zehnjährige im Durchschnitt täglich 3,5 Stunden vor dem Fernseher, eine Stunde vor dem Computer und eine Stunde bei Videogames. In Finnland sind es rund zwei Stunden. Die Schlafqualität ist besonders schlecht, wenn Kinder direkt vor dem Schlafengehen vor dem Bildschirm sitzen", sagt Werner Sauseng, Kinderarzt aus Graz.

Laut dem Experten sollten Kinder unter zwei Jahren überhaupt nie mit Bildschirmen zu tun haben, weil sie in diesem Alter noch nicht zwischen virtueller und realer Welt unterscheiden können. Im Vorschulalter sollten es täglich unter 30 Minuten sein, im höheren Alter niemals mehr als zwei Stunden. "Kinder sollten nicht allein vor Bildschirmen gelassen werden. Diese sind keine Babysitter und auch kein Mittel, um eine Sprache zu lernen. Das geht über direkte Kommunikation", führt der Pädiater aus.

Die richtige Menge

Eine erst im vergangenen Jahr publizierte Studie, in welcher die durchschnittlichen Schlafzeiten bei Naturvölkern in Südamerika und Zentralafrika erhoben worden war, zeigte, dass diese Menschen "nur" sechs bis sieben Stunden schlafen. "Sieben bis acht Stunden bedeuten die höchste Lebenserwartung. Mehr oder weniger Schlaf bedeutet eine höhere Mortalitätsrate. Das gilt aber vor allem für die über 55-Jährigen", so Gerhard Klösch von der Universitätsklinik für Neurologie im Wiener AKH.

Das Problem, wie der Fachmann betonte: "Die Schlafzeiten werden kürzer. Früher waren es im Durchschnitt acht bis neun Stunden. Heute sind es sieben bis acht Stunden. Der Grund: Wir gehen immer später zu Bett. Die Arbeitsbeginnzeiten in der Früh haben sich aber seit hundert Jahren nicht geändert."

Tagesschläfrigkeit

Eine fachlich fundierte Diagnose ist bei belastenden Schlafstörungen die Voraussetzung für eine wirksame Therapie. Dazu kann auch eine Nacht im Schlaflabor beitragen. 17 Prozent der Männer und neun Prozent der Frauen sind beispielsweise von Schlafapnoe betroffen - mit bis zu 600 bis 800 Atempausen in der Nacht und dadurch auftretender schwerer Sauerstoffunterversorgung des Gehirns als Folge. Dagegen kann eine Maskenbeatmung helfen.

Gerade im Falle von schwerer Schlafapnoe sollen in Zukunft Autofahrer und vor allem Berufslenker in der EU engmaschiger überwacht werden. Laut den Fachleuten soll die "Gesundheitsverordnung" zum Führerscheingesetz geändert werden. Bei einer solchen Diagnose müssen dann die Betroffenen explizit auf ihr Risiko im Straßenverkehr durch verringerte Aufmerksamkeit und Tagesschläfrigkeit hingewiesen werden. Jährliche Kontrollen für Berufskraftfahrer und eine Überprüfung alle drei Jahre bei anderen Führerscheinbesitzern können dann die Folge sein.

science.ORF.at/APA

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