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Habichtskauz-Pärchen

Forscher montieren Webcam im Nistkasten

Seit 2009 bemühen sich Wissenschaftler, den in Österreich ausgestorbenen Habichtskauz wieder anzusiedeln. Die Rückkehr des Eulenvogels kann man nun quasi live mitverfolgen - via Webcam im Nistkasten.

Bird Watch 24.03.2016

Die letzten Habichtskäuze (Strix uralensis) sind Mitte des 20. Jahrhunderts aus Österreich verschwunden. Den Vögeln kam ihr bevorzugter Lebensraums abhanden: naturnahe Buchenmischwälder mit großen, alten Bäumen, wo sie in Baumhöhlen brüten. Zudem wurden sie wegen ihres ungewöhnlich vertrauten Verhaltens gegenüber Menschen häufig abgeschossen.

Das Wiederansiedlungsprojekt des Forschungsinstituts für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien wurde nun bis 2018 verlängert, gab der verantwortliche Wissenschaftler, Richard Zink, bekannt.

"Frieda" beim Eierlegen zusehen

Seit 2009 haben die Forscher rund 220 nachgezüchtete Jungkäuze im Biosphärenpark Wienerwald und im Wildnisgebiet Dürrenstein freigelassen. Sie stammen von Brutpaaren aus Österreich und dem benachbarten Ausland.

Die Aktivitäten eines dieser Brutpaare, "Frieda" und "Archimedes", kann man nun via Webcam im Nistkasten rund um die Uhr verfolgen. "Frieda" hat am 8., 11. und 13. März jeweils ein Ei gelegt, "durchschnittlich dauert es rund 30 Tage, bis die Küken schlüpfen", so Zink.

Zusätzlich zu dieser Möglichkeit der Beobachtung haben die Wissenschaftler nun auch einen "Lauschangriff" auf die Habichtskäuze gestartet. Insgesamt sieben "Voice Recorder" wurden im Wienerwald aufgehängt, um sämtliche Geräusche in den Morgen- und Abendstunden aufzuzeichnen.

Im Freiland, wo die Wissenschaftler zahlreiche Nistkästen aufgehängt haben, sind seit den ersten Freilassungen bereits 61 Jungvögel geschlüpft. Diese sind teilweise schon wieder Brutvögel, sagt der Biologe.

Population noch zu klein

Noch sind die Wissenschaftler nicht am Ziel, die Populationen in den beiden Freilassungsgebieten zu einer kritischen Größe anwachsen zu lassen, "wir sind vielleicht auf halben Weg dorthin", sagt Zink. Bei dieser Vogelart gebe es relativ viele natürliche Verluste.

Mit ein Grund dafür ist das stark schwankende Nahrungsangebot an Mäusen. Deren Populationsgröße hängt wiederum speziell von der Samenproduktion von Bäumen wie Rotbuche, Eiche oder Fichte ab.

"Im vergangenen Jahr gab es etwa eine sehr gute Fichtenmast", so Zink. Davon hätten aber aufgrund der Waldzusammensetzung nur die Habichtskäuze im Wildnisgebiet Dürrenstein profitieren können. Im Wienerwald dagegen dominiert die Rotbuche, und die habe bereits das zweite Jahr in Folge keine Früchte produziert.

Das sei nicht ungewöhnlich und die Vögel könnten dies üblicherweise ganz gut kompensieren. Um die derzeit noch junge, verletzliche, kleine Population zu stabilisieren, müssten aber auch in den kommenden Jahren weitere Freilassungen erfolgen.

science.ORF.at/APA

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