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Künstlerische Darstellung von Viren

Wirkstoff schützt vor Junin-Virus

Gegen das gefährliche Junin-Virus gibt es nach wie vor keine Impfung. Forscher der Boku Wien ist nun ein wichtiger Fortschritt gelungen: Neue Antikörper schützen Meerschweinchen vor Infektionen.

Tierversuch 05.04.2016

Das Junin Virus verursacht vor allem in Südamerika hämorrhagisches Fieber und wird durch Nagetiere übertragen. In den USA wird das Virus in der Gruppe jener Krankheitserreger ("Category A Priority Pathogen") mit dem höchsten Risiko für die nationale Sicherheit und öffentliche Gesundheit gelistet.

Ohne Behandlung oft tödlich

Nach Angaben der Boku gibt es zurzeit keine Medikamente für Vorbeugung bzw. Behandlung der Krankheit. Derzeit wird üblicherweise bei einer Infektion Blutplasma von Patienten verabreicht, die die Infektion bereits überstanden haben. Diese Art der Behandlung beinhaltet jedoch Sicherheitsrisiken und ist zudem nur eingeschränkt verfügbar. Ohne Therapie liegt die Sterblichkeitsrate zwischen 20 und 30 Prozent.

Produziert wurden die Antikörper in genetisch modifizierten Tabakpflanzen. Dieses Produktionssystem wurde bereits erfolgreich bei der Herstellung von Antikörpern gegen Ebola und HI-Viren angewandt. Konkret wurden die Tabakpflanzen gentechnisch so verändert, dass sie maßgeschneiderte Zuckerketten an die Antikörper anheften und somit deren Wirksamkeit deutlich erhöhen.

"Was die Studie einzigartig macht, ist, dass wir einen vollen Schutz beobachtet haben - selbst wenn die Behandlung sechs Tage nach der Virusinfektion begonnen wurde, als die Tiere bereits Zeichen der Krankheit zeigten", erklärte Herta Steinkellner von der Boku in einer Aussendung der Uni. Thomas Geisbert von der University of Texas Medical Branch (USA) wertet den Erfolg der Antikörpertherapie gegen das Junin Virus als "wichtigen Schritt für die Entwicklung eines Therapeutikums für Menschen".

science.ORF.at/APA

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