Standort: science.ORF.at / Meldung: "Weizen: Mehr Ertrag, weniger Nährstoffe"

Weizenfeld unter blauem Himmel

Weizen: Mehr Ertrag, weniger Nährstoffe

Sein Ruf hat in letzter Zeit etwas gelitten. Dennoch bleibt Weizen neben Mais und Reis das Grundnahrungsmittel schlechthin. Aber auch wenn er nicht dick und krank macht, könnte er doch nahrhafter sein: Offenbar sind bei seiner Kultivierung einige Nährstoffe verloren gegangen.

Landwirtschaft 06.04.2016

Als der Mensch sesshaft wurde, begann er wilde Getreidesorten und andere Pflanzen zu kultivieren. Durch gezielte Züchtung und Kreuzung versuchte er, die Erträge zu steigern und vorteilhafte Merkmale zu optimieren - insbesondere gilt das für Getreide, das sich hervorragend als Grundnahrungsmittel eignet.

Denn es sättigt und ist im Vergleich zu Gemüse, Obst sowie allen tierischen Produkten recht haltbar. Neben Kohlenhydraten enthält es zudem Eiweiß, Mineral- und Ballaststoffe, Fette und Vitamine.

Kultivierung verändert

Die Studie in "Molecular Biology and Evolution":

"Evolutionary metabolomics reveals domestication-associated changes in tetraploid wheat kernels" von R. Papa et al., erschienen am 5. April 2016.

Ö1 Sendungshinweis:

Darüber berichtet auch Wissen aktuell am 6.4. um 13:55.

Schon in der Bronzezeit wurde wilder Emmer kultiviert. Aus dieser relativ pflegeleichten Getreidesorte züchteten die frühen Ackerbauern vor etwa 10.000 Jahren Hartweizen - jene Sorte, die heute im Mittelmeerraum dominiert.

Er hat die Versorgung der damaligen Menschen grundlegend verändert, neue Speisen wie Nudeln und Couscous tauchten auf. In unseren, nördlicheren Breiten ist der Weichweizen heute weiter verbreitet - er eignet sich besonders für die Zubereitung von Brot und ähnlichen Teigwaren.

Auf den Etappen der Kultivierung haben sich nicht nur die Form und Größe der Körner geändert, sondern auch ihre Inhaltstoffe - das zeigt ein detaillierter Vergleich von wilden, alten und neuen Sorten der Forscher um Roberto Papa vom Centro di Ricerca per la Cerealicoltura.

Weniger Nährstoffe

Dieser ergab unter anderem, dass schon der kultivierte Emmer in Vergleich zu seinen wilden Vorfahren verloren hat: Er enthält deutlich weniger ungesättigte Fettsäuren.

Diese gelten heute als besonders gesund und sollen z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen. Dass diese Nährstoffe verschwunden sind, könnten laut den Forschern daran liegen, dass die Körner dadurch haltbarer wurden. Eine ähnliche Entwicklung wurde bereits bei Hülsenfrüchten beobachtet.

Im heutigen Hartweizen finden sich im Vergleich zum kultivierten Emmer noch weniger ungesättigte Fettsäuren, wie die Analysen zeigen. Auf dem Weg zum klassischen Nudelgetreide verringerte sich zudem der Gehalt an Aminosäuren, vor allem von Alanin und Valin - letztere zählt sogar zu den essenziellen Aminosäuren, d.h., der Körper kann sie nicht selbst herstellen.

Gezielte Zucht

Die Daten legen den Forschern zufolge nahe, dass die Kultivierung selbst zur Reduktion der beiden Nährstoffgruppen geführt hat. Einerseits habe man sich auf einzelne Qualitätsmerkmale konzentriert, wie etwa auf die Größe der Körner oder die Gluten-Qualität, also den Eiweißgehalt des Getreides. Andererseits dürfte die Beschaffenheit des Getreides auch unter der ertragsorientierten Landwirtschaft gelitten haben, bei der sehr viel Dünger zum Einsatz kommt.

Die Ergebnisse sollen kein weiteres Argument liefern, um das Grundnahrungsmittel zu verdammen. Laut den Forschern könnte man nämlich durchaus an der Nährstoffverbesserung von Weizen arbeiten, etwa - indem man gezielt nährstoffreiche wilde Sorten mit den modernen Varianten kreuzt.

Eva Obermüller, science.ORF.at

Mehr zum Thema: